8 Blickwinkel
© März 2008 Thompson

Vantage Point

Originaltitel: Vantage Point

8 Strangers. 8 Points of View. 1 Truth.

Director: Pete Travis
Dennis Quaid, William Hurt, Matthew Fox, Sigourney Weaver, Forest Whitaker

Runtime: 90 min
Rating: G | PG | PG-13 | R


Die Idee, eine Geschichte nicht geradlinig, sondern mehrmals aus der Perspektive einer jeweils anderen Person zu erzählen, ist nicht neu, wird aber nur sehr selten filmisch umgesetzt. Schon der japanische Film Rashomon aus dem längst vergangenen Jahre 1950 hat sich dieser Technik bedient.

8 Blickwinkel ist der aktuellste Film, der diese Technik einsetzt und damit ein sehr ehrgeiziges, selbst gestecktes Ziel verfolgt: Waren es in Rashomon noch 4 Perspektiven, die in knapp anderthalb Stunden gezeigt wurden, so will der Regisseur Pete Travis es hier schaffen, in ungefähr der gleichen Zeit einen Anschlag auf den amerikanischen Präsidenten (William Hurt) in Sevilla aus 8 verschiedenen Blickwinkeln zu zeigen.

Die erste Sequenz zeigt die Geschehnisse rund um den Anschlag aus der Sicht eines Nachrichtenredakteurs, der im Übertragungswagen einer US-Fernsehstation sitzt. Als in dem Chaos nach dem Anschlag auch noch eine Bombe gezündet wird, bleibt die Uhr stehen und die Zeit wird um 23 Minuten zurückgedreht. Wir wechseln Betrachterwinkel und sehen nun die ganze Situation aus der Perspektive eines Leibwächters (Dennis Quaid). Auch die zweite Wiederholung ist noch interessant, aber langsam macht sich das Gefühl breit, nach Punxsutawney versetzt worden zu sein. Trotzdem macht der Film 5 Blickwinkel lang kaum Fehler (mal abgesehen davon, dass ich nicht verstanden habe, warum der Präsident der Vereinigten Staaten in Europa unbedingt in amerikanischen Autos durch die Gegend kutschiert werden muss). Jede Sequenz versorgt den Zuschauer mit mehr Informationen und nach und nach lassen sich immer mehr Puzzleteile zum Anschlag zusammensetzen. Trotzdem bleiben immer noch genügend Fragen offen und man ist gespannt, aus welcher Sicht man den Anschlag wohl als nächstes sehen wird und welche Informationen neu hinzukommen.

Der Knackpunkt des Films kommt nach der fünften Episode. Plötzlich scheitert der Film an seinen eigenen hohen Ansprüchen. Wohl aufgrund der leichteren Verfilmbarkeit entschied sich der Drehbuchautor, in den klassischen Erzähl- und Filmstil zurückzufallen, wodurch deutlich wird, dass 8 Blickwinkel nichts anderes als ein klassischer, nicht allzu guter Actionfilm ist, der ohne seinen episodenhaften Zugang wohl völlig untergegangen wäre.

Zum Schluss bleiben zwei Fragen unbeantwortet:

Warum gleich noch mal wollten die Terroristen den amerikanischen Präsidenten entführen?

Ist es wirklich nötig, Terroristen in einem Actionfilm so extrem klischeebehaftet darzustellen? Einerseits führen sie ihren Plan minutiös und ohne Rücksicht auf Menschenleben durch, um andererseits (vielleicht auf um den Happy-Ends willen) den Erfolg durch einen Anflug von Menschlichkeit zu riskieren.