Transformers
© August 2007 Thompson

Transformers

Originaltitel: Transformers

Their war. Our world.

Director: Michael Bay
Shia LaBeouf, Megan Fox, Josh Duhamel, Jon Voight, Bernie Mac, John Torturro, Rachael Taylor

Runtime: 144 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2007

Es gibt Leute, die schauen sich grundsätzlich jeden Actionfilm an. Dann wiederum gibt es Leute, die das Genre schon etwas differenzierter betrachten: sie schauen sich Actionfilme nur dann an, wenn sie von einen bekannten Regisseur wie Michael Bay (Pearl Harbor, The Rock, Bad Boys), Quentin Tarantino (Pulp Fiction, Kill Bill) oder Robert Rodriguez (Sin City, From Dusk till Dawn) sind. Andere wiederum schwören auf Steven Spielberg (nicht nur als Produzent, sondern auch als Regisseur) und schauen sich Transformers an, weil Spielberg in diesem Projekt seine Finger mit im Spiel hatte.

Ein Regiewerk von Michael Bay hat mich bisher noch nicht hinter dem Ofen hervorgelockt und auch die Tatsache, dass Steven Spielberg federführender Produzent war, lässt mich in der Regel kalt. Warum jedoch zog es mich, den Autor dieser Zeilen, dennoch wie magisch in diesen Film? Für mich gab es nur einen einzigen Grund, diesen Film anzusehen: es ist die Realverfilmung einer Zeichentrickserie aus den Achtzigern. Ich kenne zwar mit Sicherheit nur einen Bruchteil der 98 Folgen (verteilt auf 4 Staffeln in ebenso vielen Jahren), aber dennoch haben mich die Transformers vor über 20 Jahren regelmäßig vor den Fernsehschirm geholt.

Mir war von vornherein klar, dass mich mit diesem Film kein cineastisches Highlight erwarten würde. Dafür würden schon Steven Spielberg und Michael Bay und die lose auf der Zeichentrickserie beruhende Handlung sorgen. Ich betrat den Kinosaal in Erwartung einer (mit 144 Minuten sehr, sehr) langen Folge der TV-Serie und wurde auch nicht enttäuscht. Das Hauptaugenmerk in diesem Film wurde ganz offensichtlich auf die Spezialeffekte gelegt, denn diese sind allererste Sahne. Es wurde wohl auch ein großer Teil des auf 147 Millionen Dollar geschätzten Budgets dafür verwendet. So blieb für das eher dürftig ausgefallene Drehbuch sowie die Darsteller nicht mehr viel übrig. John Torturro, als überdrehter Agent Simmons, ist wohl der bekannteste Schauspieler in diesem Film, aber mit Ausnahme eingefleischter Big Lebowski-Fans werden wohl nur wenige diesen Name kennen.

Wenn man die TV-Serie kennt, dann hat der Film auch einige recht nette Anspielungen parat: Als Sam (Shia LaBeouf) seinen ersten (Gebraucht-)Wagen kauft, sieht man neben dem von ihm gekauften Chevrolet Camaro auch noch einen gelben VW Käfer, das Auto, in das der „originale“ Autobot Bumblebee wechseln kann. Später, in einer vertraulichen Szene mit der (allen Widerreden zum Trotz) zwar gut aussehenden, aber im Kopf leider strohblonden Mikaela Barnes (Megan Fox), erklärt Sam „There’s more to you than meets the eye“ und zitiert damit sowohl den Titel der ersten drei Folgen der Zeichentrickserie sowie deren Titelsong. Anspielungen auf andere Filme sind ebenfalls zu erkennen: einmal erinnert der am Dach eines Turmes stehende Megatron frappant an King Kong, ein andermal glaubt man, statt des Zeichens der Transformers jenes von Batman an den Himmel projiziert zu sehen.

Aber auch bei einem hauptsächlich auf Optik ausgelegten Actionfilm darf ich mir erlauben, einige Kritikpunkte bezüglich der Handlung anzubringen. Da wären zum Beispiel die ganzen Szenen in denen das jugendliche Team um die mit einem australischen Akzent (warum ein australischer Akzent in einem Film, der in Amerika spielt?) sprechende Maggie (Rachael Taylor) versucht, aufgefangene Signale der Transformers zu entschlüsseln. Im Nachhinein betrachtet erscheinen sie weitgehend als Lückenfüller, als ob ein Film von 144 Minuten nicht lang genug wäre. Etwas mehr Mühe hätten sich die Drehbuchschreiber auch bei den Dialogen zwischen Sam (bei dem man im übrigen auch subtiler hätte zeigen können, dass er der totale Nerd ist) und Mikaela (was genau findet sie plötzlich an Sam, der doch das genaue Gegenteil ihrer bisherigen Freunde ist?) geben können. Im Vergleich dazu scheinen sogar Dialoge aus manchen High-School-Filmchen noch wie ein Werk Shakespeares. Außerdem war mir vor der Realverfilmung noch nie aufgefallen, dass Optimus Prime einen Hang zum Angeben hat: der Truck hätte etwas weniger an Rundum-Beleuchtung, eine dezentere Lackierung und viel weniger an Chrom vertragen. So wurde ich manches Mal an einen edlen Ritter ("knight in shining armour") erinnert. Ein letzter Kritikpunkt betrifft die Wahl des Autos für Bumblebee: Auch wenn es von Anfang an klar war, dass sich die Autobots in andere Autos verwandeln würden als in der Zeichentrickserie, so war ich dennoch enttäuscht, dass aus dem sympathischen VW Käfer Bumblebee ein Chevrolet Camaro wurde, wo es doch mit dem New Beetle ein in meinen Augen viel passenderes Nachfolgemodel gegeben hätte.

Das recht offensive Product Placement ist mir weit weniger übel aufgestoßen als anderen Kritikern. Das liegt wohl auch daran, dass die beiden „Hauptsponsoren“ dieses Films (General Motors und die US-Army) in Europa nicht unbedingt so bekannt sind. Die Hauptmarken von GM in Europa sind Opel und Saab, während die Autos im Film allesamt der amerikanischen Modellpalette (Chevrolet, GMC, Pontiac) entstammen. Der Wiedererkennungswert für uns Europäer ist daher gering bis gar nicht vorhanden. Die Unterstützung der US-Army zeigt sich dagegen nicht so offensichtlich. Hier war man hauptsächlich darauf bedacht, die Kampfszenen möglichst realistisch wirken zu lassen und den Ruf der Army wieder etwas zu verbessern. Die mehrmaligen Erwähnungen von eBay und Nokia fallen da schon eher auf. Dass der Name Hasbro im Zusammenhang mit Transformers ständig fällt, ist auch klar, denn diese Firma hat die verwandelbaren Spielzeuge seit jeher hergestellt und vermarktet.

Wie schon weiter oben angeführt, schafft es dieser Film trotz seiner Länge, seinem Publikum gerecht zu werden. Wer anspruchsvolles Kino erwartet, wird sich kaum in Transformers verirren, wer hingegen auf Action aus ist, der kann diesen Sommer kaum eine bessere Wahl treffen.