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Henker
© Jänner 2006 Thompson
Gute österreichische Filme im Kino sind selten. Noch seltener ist ein aus der Masse hervorstehender österreichischer Film, in dem kein Kabarettist mitspielt, aber genau mit so einem Film haben wir es hier zu tun. Wir befinden uns in einem Tiroler Ort am Anfang des 16. Jahrhunderts zur Zeit der Reformation. Die beiden Findelkinder Georg (Peter McDonald) und Martin (Nikolaj Coster-Waldau) wachsen in einem Kloster auf und sind engste Freunde, bis sie eines Tages vom Bischof getrennt werden. Georg soll den spirituellen Weg einschlagen und Priester werden, während Martin Söldner wird. Bei einem Heimaturlaub verliebt sich Martin in die Unberührbare Anna (Anastasia Griffith). Unberührbar deswegen, da sie die Tochter des Henkers ist. Das junge Glück währt jedoch nicht lange und bald muss Martin wieder an die Front. Bei seinem nächsten Besuch stellen er, und mit ihm der bis dato ahnungslose Kinobesucher, fest, dass das letzte Treffen mit Anna nicht ohne Folgen geblieben war: Anna hat in der Zwischenzeit sein Kind geboren. Martin gibt nun für Anna sein Söldnerleben auf, heiratet sie und tritt als Henker in die Fußstapfen ihres Vaters, da dies der einzige Beruf ist, den er als nunmehr auch Unberührbarer ausüben kann. Dabei kommt er Fabio (Eddie Marsan), dem Lehrling von Annas Vater, in die Quere, der sowohl Henker, als auch Annas Ehemann hätte werden sollen, was in einer langen Fehde und Feindschaft endet. Georg ist inzwischen zum Abt des Klosters aufgestiegen. Er versucht, so milde wie möglich zu walten, um das im Ort bestehende fragile Gleichgewicht zwischen Kirche, Gegenkirche und Bevölkerung nicht ins Wanken zu bringen und gleichzeitig nirgendwo anzuecken. Der Bischof sieht die lokale Akzeptanz der Gegenkirche mit Unbehagen und lässt die spanische Inquisition aufmarschieren … Bei einem Film wie diesem, traut man sich eigentlich gar nicht, viel zu erwarten: eine österreichische Produktion mit internationalen Schauspielern, in Englisch gedreht. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – kann der Film halbwegs überzeugen. Sicherlich, aus der Geschichte hätte man mehr machen können. Sie schreitet absolut geradlinig voran und Stellen möglicher Konflikte (Annas Schwangerschaft zum Beispiel oder die Frage, warum Martin dagegen ist, gegen Ende des Films seinen Sohn der Obhut der Kirche zu überlassen) werden einfach übersprungen bzw. im Vorbeigehen mit einem Nebensatz erwähnt. Wenn man kurz zwinkert, ist schon wieder alles vorbei und als Zuschauer hat man nichts mitgekriegt. Auch der einmal kurz aufgezeigte Gewissenskonflikt, den Martin wegen des Tötens hat, taucht später im Film nicht mehr auf. Er tötet, ohne mit der Wimper zu zucken. Auch die Figuren der Hauptdarsteller sind etwas zu stromlinienförmig geraten, als dass sie dem Kinobesucher durch eigenmächtiges Handeln und große Taten in Erinnerung bleiben Dies gelingt so mancher Nebenfigur viel besser. Da ist zum einen der Leiter der Spanischen Inquisition (Steven Berkoff), der nicht nur vom Aussehen her dem italienischen Starschiedsrichter Pierluigi Collina ähnelt, sondern auch dessen Ausstrahlung hat, zum anderen bleiben aber auch Fabio, der verkrüppelte Widersacher Martins, oder die wohlgenährten Kaufleute im Gedächtnis. Diese kommen zwar bei weitem nicht so lange bzw. oft vor wie die Hauptdarsteller, hinterlassen aber dennoch mehr Spuren. Alles in allem lässt der Film den Zuschauer mit gemischten Gefühlen zurück. Zwar wirkt die Darstellung des Mittelalters, so brutal sie auch sein mag, realistisch und eine Exekution war damals - wie auch heute noch in manchen Gebieten der Welt - ein Schauspiel, zu dem sich die ganze Umgebung einfand, aber andererseits hat es sich die Drehbuchautorin Susanne Freund an manchen Stellen doch etwas (zu) leicht gemacht und man denkt sich, dass es vielleicht besser gewesen wäre, hätte sie nicht jede kritische und komplizierte Szene weitgehend umgangen. | ||||||