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Poseidon
© Juli 2006 Thompson
Als ich nach Filmende das Kino verließ, dachte ich mir, dass dieser Film irgendwas von einem typischen 70er bzw. 80er "Desaster Movie" hatte. Wieder zu Hause angelangt, ließ ein kurzer Blick in das Internet meine Ahnung Gewissheit werden. Es gab in der Tat schon vor über dreißig Jahren einen Film (Poseidon Inferno bzw. auf englisch The Poseidon Adventure), der die Vorlage für dieses Remake bildete. Damals wie heute bringt eine Riesenwelle, wie sie weltweit ungefähr 10-mal pro Jahr vorkommt, den Luxusliner Poseidon zum kentern. Dieser war trotz aller moderner Technik an Bord nicht in der Lage, die auf ihn zurollende Riesenwelle zu erkennen. Der Großteil der Passagiere stirbt kurz nachdem die Welle am Schiff bricht. Die meisten Überlebenden befinden sich im riesigen Ballsaal, in dem sie eben noch auf das neue Jahr angestoßen hatten, und auch eine kleine Gruppe in der Diskothek bleibt vorerst verschont. Einige Wagemutige versuchen auf eigene Faust den Boden des gekenterten Schiffs und damit die rettende Wasseroberfläche zu erreichen, die meisten aber schenken den beruhigenden Worten des Kapitäns Gehör und warten im sicher wirkenden Ballsaal auf Hilfe von außen. So weit zum Inhalt. Der Film selber zeigt sich von der klassischen Seite eines Katastrophenfilms. Nachdem uns gleich in der Anfangssequenz das Schiff präsentiert wird (wir sehen Dylan Johns aka Josh Lukas minutenlang über das Deck joggen), werden uns kurz und einprägsam die weiteren Hauptdarsteller und ihre Verbindungen zueinander näher gebracht: Es gibt den ehemaligen Feuerwehrmann und Bürgermeister von New York (9/11 lässt wohl grüßen) Robert Ramsey (Kurt Russell), der zusammen mit seiner Tochter Jennifer (Emmy Rossum) und ihrem Freund Christian (Mike Vogel) an der Kreuzfahrt teilnimmt. Am Pokertisch trifft Robert Ramsey auf den - im weiteren Verlauf des Films doch nicht so glücklichen - Lucky Larry (Kevin Dillon) sowie den professionellen Glücksspieler Dylan Johns. Dieser wiederum hat das Glück, kurz vor der Katastrophe die nur mit ihrem Sohn Conor (Jimmy Bennett) reisende Maggie James (Jacinda Barrett) zu treffen. Einzig und allein der anfangs an Selbstmord denkende Richard James (Richard Dreyfuss) sowie die als blinder Passagier reisende Elena (Mía Maestro) treffen die anderen Darsteller erst später. Was dann folgt, sind typische Sequenzen eines Katastrophenfilms: immer wieder sterben die Darsteller beinahe bzw. scheinen in eine Sackgasse gerannt zu sein, nur um im letzten Moment doch noch einen Ausweg zu finden. Während sich die Helden an den - überraschenderweise nicht kopfüber hängenden - Schiffsplänen orientieren und in Richtung Antrieb klettern, werden wir in überraschend expliziter Form (Spezialeffekte sei Dank) Zeugen der unglaublichen Macht des Wassers. Leichen werden uns im weiteren Verlauf des Films immer wieder ganz nebenbei präsentiert, nie aufdringlich und doch immer gut sichtbar. Während sich die Story im vorliegenden Film gar nicht vom Einheitsbrei der Filme dieses Genres abzuheben vermag, schafft dies Regisseur Wolfgang Petersen dank der Effekte. Da die Darsteller dieses Films nicht unbedingt die A-Liste Hollywoods darstellen, der Film aber trotzdem ein Budget von etwa 160 Millionen Dollar hatte, ist ganz offensichtlich der Grossteil des Geldes in die Spezialeffekte geflossen. Diese Investition hat sich auf jeden Fall ausgezahlt, auch wenn wohl jedem Zuseher die fünfte Explosion einer Gasleitung langweilig erscheinen mag. Aber Petersen schafft es eindrucksvoll, die Macht des Wassers zu zeigen, worin er allerdings durch seine Produktionen Der Sturm bzw. Das Boot schon etwas Übung hatte. Selten hat man aufgrund des Wasserdrucks berstende Fensterscheiben, vom Wasser mitgerissene Möbel und gegen die Fluten kämpfende Personen so überzeugend inszeniert gesehen. Hier ist meines Wissens auch der große Unterschied zur alten Version zu finden, denn während dort Stars für den Film engagiert wurden und das Hauptaugenmerk wohl auch auf die Geschichte gelegt wurde, spielen nunmehr die Spezialeffekte die wirkliche Hauptrolle. Aber Filme sind in der Regel dazu da, Geschichten zu erzählen, und nicht nur, um uns den aktuellen Stand der Spezialeffekt-Industrie vor Augen zu führen. Irgendwie habe ich mich während des Films dabei ertappt zu überlegen, wie es denn wohl wäre, wenn keiner überleben würde und wir im Kino somit nur Zeugen eines stundenlangen verzweifelten, aber von Anfang an zum Scheitern verurteilten, Wettlaufs gegen die Zeit und das Wasser werden würden. Allerdings war mir im gleichen Moment klar, dass das (amerikanische) Zielpublikum dieses Films damit nicht einverstanden wäre. Und so kommt es wie es kommen muss: es gibt ein Happy End. Leider. Zu empfehlen ist der Film nur Katastrophenjunkies und den Liebhabern gelungener Effekte. | ||||||