Die Passion Christi
© April 2004 Aleks

The Passion of the Christ

Originaltitel: The Passion of the Christ



Director: Mel Gibson
James Caviezel, Monica Bellucci, Claudia Gerini, Maia Morgenstern

Runtime: 127 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2004

Selten war ein Film im vornhinein so scharf kritisiert worden wie dieser. Selten wetterten vor allem kirchliche Institutionen weltweit gegen ebendiesen und warnen in unterschiedlichen Eindringlichkeitsstufen ihre Schafe, sich das neueste Machwerk Mel Gibson's anzutun. Von 'kaum zu ertragen' bis 'antisemitisch' ist da die Rede, und man frägt sich als passiver Genießer einschlägiger Kinolektüre ernsthaft, ob solch scharfe Worte auch nur angehend irgendeinen Einfluß auf die Besucherzahlen haben können. Offensichtlich nicht. Über 330 Mio. Dollar hat der Film bis jetzt allein in den USA eingespielt (bei einem Budget von etwa 30 Mio ... ).

Mir stellt sich ernsthaft die Frage, nach dem Reiz eines solchen Jesus Filmes, der anscheinend alles zeigt, und nichts beschönigt, den Zuseher bedrückt das Kino verlassen, weinen oder einen Herzinfarkt erleiden lässt. Ethik hin oder her, auch ich hab mir diesen Film, um hier die Sinnfrage dieser Schreibe mittels dieser Kritik endlich zu entkräften, angesehen und muß trocken und ehrlich gestehen: Der Film ist nichts für schwache Nerven.

Jedoch nicht allein wegen der, zugegebenermaßen extrem blutigen Geißelungs-/Kreuzigungsszene, oder der sadistischen Drangsalien der Römer. Die Abscheu, das Mitgefühl, ja, jegliche Emotionen werden durch eine geschickte Mischung aus Musik, Schnitt, Bild, hervorragendem Schauspiel, Ton und der daraus resultierenden nicht greifbaren Atmosphäre gekonnt miteinander verwoben und erzeugen somit dieses unmittelbare Gefühl eines hilflosen Beobachters, der, gebannt an den Kinostuhl gefesselt und mitten drin im Geschehen, in Bild & Ton miterleben muß, was man sich normalerweise gerade noch aus dem schulischen Bibelkenntnissen zusammensetzen konnte: Das Leiden Jesu.

So erlebt man, wiederum verstärkt durch die authentischen Sprachen Latein, Aramäisch und Hebräisch, hautnah die Geißelung durch die Römer, die Verschmähungen der jüdischen Priesterschaft, das Beharren ebendieser auf der Kreuzigung, die Hilflosigkeit des Pontius Pilatus vor einem zügellosen Mob, das Leiden Marias und der Jünger Jesu, die Kreuzigung selbst bis zum Dahinscheiden Jesu am Kreuz mit. Unterbrochen wird dieser Schrecken nur durch kurze Rückblicke auf das Leben und Wirken von Jesus, die aber nur bedingt zur Entspannung beitragen können, zeigen sie doch abermals diese sinnlose Brutalität umso stärker auf und ziehen einen widerwillig wieder mitten hinein ins Geschehen.

James Caviezel (The Count of Monte Cristo, Angel Eyes), als Jesus kaum wiederzuerkennen, spielt geradezu hervorragend und leistet einen sehr glaubwürdigen Beitrag zum 'Schrecken' dieser Passion. Monica Bellucci (Matrix: Reloaded/Revolution, Tears of the Sun) spielt ebenfalls überzeugend die Rolle der Maria Magdalena, wurde aber leider abermals zum bloßen Aufsagen von ein paar Sätzen verdammt. Ein großes Lob gebührt vor allem Maia Morgenstern, die auf beeindruckende Art und Weise Maria verkörpert und darstellt, das Leiden einer Mutter, die von der Ausweglosigkeit des Leidens ihres Sohnes weiß und ihn hilflos auf seinem Weg begleitet. Eigentlich ist jedem einzelnen Schauspieler seine Leistung hoch anzurechnen, ohne die dieser Film nicht diese niederschmetternde Wirkung erziehlen würde, die er schlußendlich auch auf mich hatte.

Bedrücktheit setzt sich fortlaufend tief ins Mark, die sich auch durch die kurz angedeutete Auferstehung nicht vertreiben lassen mag.

Auch wenn ich mich hier einem Schlußurteil, aufgrund der Thematik, verweigern möchte, kann ich im nachhinein jene Menschen verstehen, die schweigend oder weinend den Saal verlassen haben, den auch ich habe mich des öfteren dabei ertappt, ein- oder zweimal hart schlucken zu müßen.