Lost in Translation
© Jänner 2004Thompson

Lost in Translation

Originaltitel: Lost in Translation

Everyone wants to be found.

Director: Sofia Coppola
Scarlett Johansson, Bill Murray, Giovanni Ribisi

Runtime: 105 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2003



Das neue Jahr fängt irgendwie gut an. Und das obwohl klassischerweise wieder mal zwei in etwa gleichzeitig anlaufende Filme in etwa das gleiche Thema behandeln. Diesmal handelt es sich um "Japan" und die beiden Filme hätten nicht unterschiedlicher sein können. Zum einen handelt es sich dabei um den Film The last Samurai mit Tom Cruise, in dem ich in einer späteren Kritik noch eingehen werde und zum anderen eben um Lost in Translation von Sofia Coppola, der nun hier unser Thema sein soll.

Abgesehen davon, dass Sofia Coppola dadurch bekannt ist, die Tochter von Francis Ford Coppola zu sein, hat sie vor inzwischen 4 Jahren mit The Virgin Suicides ein ganz beachtliches Kino-Debüt hingelegt.

Vier Jahre hat es gedauert, bis Sofia Coppola sich endlich dazu durchringen konnte, einen weiteren Film zu drehen. Dabei war sie in diesem Fall Drehbuchautor, Regisseur und Producer in einer Person vereint. Und das Ergebnis ist wirklich sehenswert. Während es in The Virgin Suicides um das Erwachsen werden ging, hat sich Sofia Coppola in hier die Einsamkeit zum Thema gemacht.

Denn sowohl der alternde Schauspieler Bob Harris (Bill Murray) als auch die junge und frisch vermählte Charlotte (Scarlett Johansson) sind inmitten Tokios mehr oder weniger auf sich allein gestellt und einsam. Bob Harris kam nach Japan, um sich mittels Whiskeywerbung seine Pension etwas aufzubessern und die Werbestreifen und Bilder werden gedreht, ohne dass er eine Ahnung hat, was im Speziellen sich der Regisseur da wohl wünscht. Und Charlotte ergeht es nicht besser. Denn obwohl sie mit ihrem Ehemann John (Giovanni Ribisi) in Tokio ist, scheint es in der noch recht jungen Ehe auch schon leicht zu kriseln, denn John hat wenig Augen für Charlotte und beschäftigt sich den ganzen Tag lang nur mit seiner Arbeit, dem Fotografieren. Irgendwann treffen die beiden in der Hotelbar aufeinander und stellen fest, dass ihre Probleme ganz ähnlicher Natur sind. Irgendwie scheint es da auch eine gewisse Anziehungskraft zwischen den beiden zu geben...

Auch wenn Sofia Coppola meiner Meinung nach in manchen Einstellungen etwas dick mit japanischen Klischees aufgetragen hat (es gibt einen Abend, an dem sich alle Leute mit Karaokesingen unterhalten, Japanerinnen, die Bob Harris in seinem Zimmer vorfindet und die eine ganz andere Vorstellung von einer gemeinsamen Nacht haben, als er selber, die - für uns Europäer übertrieben wirkende - japanische Freundlichkeit...), so bleibt dies doch ein Film, der berührt.

Murray ist schon lange genug im Filmgeschäft, dass es für die Zuseher die ihn noch aus Ghost Busters kennen (bei weitem nicht seine erste Filmrolle) die Rolle des alternden Schauspielers problemlos abnehmen können. Gleichzeitig spielt er auch noch etwas müde, was dem Ganzen noch viel mehr Authentizismus verleiht. Allerdings will der letzte Satz nicht missverstanden werden, denn es ist offensichtlich, dass die Müdigkeit nur eine gespielte ist und sich nicht auf die Leistung Murrays bezieht. Im Gegensatz zu Murray ist Scarlett Johansson ein noch mehr oder minder unbeschriebenes Blatt (immerhin hat sie schon Rollen in Ghost World, Eight-legged Freaks und The Man who wasn't there zu Buche stehen). Aber sie ist in der Lage, den weiblichen Gegenpart Murrays so gut zu geben, dass es überzeugend klingt. Und eines muss man Sofia Coppola auch zugute halten: sie schafft es, eine Beziehung zwischen Bob Harris und Charlotte aufzubauen, die ob des großen Altersunterschied nicht gleich ins Lächerliche abgleitet.

Somit sei dieser Film all jenen empfohlen, denen ein Film ohne großes Tamtam nichts ausmacht. Es gibt hier zwar keine Sprünge in der Handlung, über die man sinnieren muss und auch keine großartigen überraschenden Wendungen, aber hier liegt auch ein Film vor, des solche Stilelemente nicht nötigt hat. Langsam und sicher bleibt er immer am roten Faden und erzählt seine ruhige Geschichte all jenen, die zuhören können.