![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Ein Mann für eine Saison
© Oktober 2005 Thompson
Fever Pitch, so der englische Titel, ist ein Film, der mich mit gemischten Gefühlen ins Kino gehen ließ und das aus mehreren Gründen: (ich würd da einen Doppelpunkt machen) Erstens bin ich ein großer Fan von Nick Hornby und habe auch fast alle seine Bücher gelesen. Zwei der bisherigen drei Verfilmungen (About a Boy und High Fidelity) habe ich auch gesehen und fand, dass beide sehr gute Umsetzungen der Bücher waren. Einzig und allein die 1997-er Version von Fever Pitch habe ich bisher noch nicht gesehen, würde sie mir aber - und das nicht nur zu Vergleichszwecken mit der hier besprochenen Verfilmung von 2005 - gerne einmal anschauen. Zum zweiten wusste ich, dass die Farrelly-Brüder, für die Regie verantwortlich zeichnen. Dies ließ mich die ganze Sache etwas skeptisch betrachten, denn ihre Filme (z.B. Dumm und dümmer, Verrückt nach Mary oder auch Ich, beide & sie) waren bisher weniger dafür bekannt, Qualitätsfilme zu sein, sondern eher dafür, sich immer am Rande der Gürtellinie zu bewegen. Nicht unbedingt etwas, auf das ich viel Wert lege und noch dazu, wenn es in keinster Weise der Buchvorlage gerecht wird, denn das Buch "Fever Pitch" ist ein autobiographisches Werk Nick Hornbys, in dem er sein Leben anhand von Ligaspielen des FC Arsenal beschreibt. Die Kenntnis des Buches war ein weiterer Grund dafür, dass ich mir nicht sicher war, was mich denn nun in diesem Film erwartete. Ich halte das Buch nämlich für nicht (bzw. nur außerordentlich schwer) verfilmbar. Zugegeben, es gab viele Leute, die dasselbe vom Herrn der Ringe sagten und dort gibt es inzwischen eine, wie ich finde, recht gute Verfilmung. Aber Fever Pitch konnte ich mir einfach nicht als Film vorstellen, auch wenn ich bei Buchverfilmungen weniger Wert auf eine eins zu eins Umsetzung lege. Mir ist klar, dass dies in der Regel nicht möglich ist und deswegen besteht die schwierige Aufgabe eines Drehbuchautors darin, ein Buch auf Spielfilmlänge zu kürzen, ohne dabei die essentielle Aussage des Buchs aus den Augen zu verlieren. Dies war sowohl bei High Fidelity, wo die Handlung von London nach Chicago verlegt wurde, als auch bei About a Boy sehr gut gelungen. Aber nun endlich zum Film: Dass hier die Handlung (wie auch schon bei High Fidelity) von England nach Amerika verlegt wurde, stellt an und für sich kein Problem dar. Genauso kann ich sehr gut damit leben, dass der Sport, um den sich der ganze Film dreht, nicht mehr Fußball (und somit der europäische Teamsport Nr. 1) ist, sondern der amerikanische Sport Nr. 1, nämlich Baseball. Aber genau mit dieser Umstellung beginnen in diesem Film auch die Probleme: Fever Pitch (das Buch) orientiert sich, wie schon erwähnt, an den Ligaspielen des FC Arsenal und beschreibt anhand dieser Spiele mehr oder weniger wichtige Stationen aus 20 Jahren in Nick Hornbys Leben (ein Zitat: "Wann endete meine erste wirkliche Liebesgeschichte? Am Tag nach einem enttäuschenden 2:2-Unentschieden gegen Coventry 1981."). Apropos Liebesgeschichte: auch diese kommt im Buch nicht so oder zumindest nicht so ausführlich vor. Im Film hingegen dreht sich plötzlich alles nur mehr darum. Aus einem Buch mit Episoden aus 20 Jahren Nick Hornby, die mehr oder weniger mit Fussball zu tun haben, wurde so plötzlich eine knapp 100 Minuten lange Liebesgeschichte im Umfang einer Baseballsaison. Das Ergebnis ist zwar eine nette romantische Komödie, hat allerdings in meinen Augen bis auf den Titel und die Tatsache, dass es sich um (irgendeinen) Sportfanatiker dreht, mit dem Buch nicht mehr viel gemeinsam. Das Fazit ist: Für all jene, die Nick Hornbys Buch nicht kennen, ist Ein Mann für eine Saison eine nette und gut gemachte romantische Komödie mit Drew Barrymore und Jimmy Fallon in den Hauptrollen. Alle Kenner des Buches werden den Kinosaal allerdings enttäuscht verlassen. Meine Befürchtungen, was die Verfilmbarkeit des Buches betrifft, haben sich bestätigt und die Version von 1997, in der es immerhin noch um Fußball und nicht um Baseball geht, würde mich deshalb noch mehr interessieren. | ||||||