Der Exorzismus der Emily Rose
© November 2005 Thompson

The Exorcism of Emily Rose

Originaltitel: The Exorcism of Emily Rose

What happened to Emily?

Director: Scott Derrickson
Laura Linney, Tom Wilkinson, Jennifer Carpenter, Campbell Scott

Runtime: 119 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2005



Ein Exorzismus: wohl jeder hat schon davon gehört - vom Ausdruck her sicher und vom gleichnamigen Film aus dem Jahre 1973 wahrscheinlich auch. Aber nicht nur in Filmen gibt es Exorzismen, sondern auch in der Realität und das leider nicht so selten, wie man glauben möchte: Im Juni dieses Jahres (2005) starb in Rumänien eine Nonne, nachdem sie drei Tage lang geknebelt an einem Kreuz hing, und im Jahre 2003 starb in den USA (Milwaukee) ein sechsjähriges autistisches Kind an den Folgen eines Exorzismus.

Der Fall, auf den sich dieser Film bezieht, liegt allerdings schon einige Jahre zurück: Im Jahr 1976 starb die an Epilepsie leidende deutsche Pädagogikstudentin Anneliese Michel aufgrund von Unterernährung und Entkräftung, da sie gegen Ende des zehn Monate (!) dauernden Exorzismus die Nahrungsaufnahme verweigert hatte. Beim auf ihren Tod folgenden Prozess erhielten alle Beteiligten ihre Haftstrafen auf Bewährung ausgesetzt (Quelle: de.wikipedia.org).

Soweit die Fakten, an die sich der Film mehr oder weniger auch hält, schließlich flimmern ja die - für mich meist warnend wirkenden - Worte "basierend auf einer wahren Begebenheit" gleich am Anfang über die Leinwand. Natürlich gab es einige Änderungen im Sinne der Dramaturgie (Anneliese Michel heißt jetzt Emily Rose und sie wohnt auch nicht mehr in Deutschland, sondern ist nach Amerika übersiedelt), aber die Geschichte im Grossen und Ganzen wurde beibehalten.

Kaum hat der Zuschauer im Kino Platz genommen, wird er gleich mitten ins Geschehen geworfen. Nach einer kurzen Episode, in der wir den letzten Exorzismus und den daraus resultierenden Tod von Emily Rose (sehr gut gespielt von Jennifer Carpenter) miterleben dürfen, kommen wir geradewegs in den Gerichtssaal. Vor dort aus werden uns in Flashbacks immer die gerade zur Verhandlung passenden Szenen aus Emilys Leben gezeigt. Dabei erzählt der Film die Geschehnisse immer aus der Sicht der Person, die sich gerade im Zeugenstand befindet. Was für den Arzt am Zeugenstuhl einen Epilepsieanfall darstellt, ist für die anderen (eher spirituell angehauchten) Zeugen ein klarer Fall davon, dass gerade eben ein böser Geist vom Körper Emilys Besitz ergriffen hat. Teilweise werden dem Zuseher beide Darstellungen präsentiert, teilweise gibt es nur eine, während man sich die Gegenmeinung aus dem Kontext selbst "erarbeiten" muss. Niemals jedoch wird dem Zuseher die Entscheidung abgenommen, Wahrheit von Fiktion zu trennen. Das muss er selber machen.

Überraschenderweise für Hollywood scheint der Film zwar mit dem abschließenden Gerichtsurteil alle offenen Fragen zu beantworten, aber wenn man nachträglich weiter über den Film reflektiert, wird man feststellen, dass die großen, nur implizit gestellten Fragen (gibt es Gott, gibt es Geister und können Menschen von bösen Geistern besessen sein?) nicht einmal ansatzweise beantwortet werden. Darauf eine Antwort zu finden, bleibt dem Kinobesucher selbst überlassen und wird wahrscheinlich von der jeweiligen Einstellung abhängen.

Alles in allem ein gut gemachter Film, auch wenn er manchmal ein wenig mehr ins Horrorgenre abdriftet, als es einem solchen Film gut tut.