Vergiss mein nicht
© Mai 2004 Thompson

Eternal Sunshine of the spotless Mind

Originaltitel: Eternal Sunshine of the spotless Mind

You can erase someone from your mind. Getting them out of your heart is another story.

Director: Michel Gondry
Jim Carrey, Kate Winslet, Elijah Wood, Kirsten Dunst, Tom Wilkinson, Mark Ruffalo

Runtime: 108 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2004



Wer war in seinem Leben noch nicht in der Situation, dass er etwas Geschehenes am liebsten wieder ungeschehen oder zumindest vergessen gemacht hätte? Eine Romanze, eine Tat oder sonst etwas?

Mit Hilfe von Lacuna Inc. kann man jetzt endlich etwas in diese Richtung unternehmen. Lacuna Inc. kann zwar Geschehenes auch nicht wieder ungeschehen machen (das wäre einfach zu schön), aber sie hat sich darauf spezialisiert, das Gedächtnis seiner "Patienten" zu löschen. Wenn man will, kann man etwas einfach so mir nichts dir nichts vergessen machen. Der Prozess des Vergessens ist zwar nur ein einseitiger, aber das ist besser als gar nichts.

Damit hätten wir auch schon den Ausgangspunkt für Vergiss mein nicht: Joel Barish (Jim Carrey) macht auf eine für ihn recht unangenehme Art mit Lacuna Inc. Bekanntschaft. Denn nach der Trennung hat sich seine Ex-Freundin Clementine Kruczynski (Kate Winslet) von Dr. Howard Mierzwiak (Tom Wilkinson) bei Lacuna Inc. behandeln lassen und betrachtet ihn seither wie einen Fremden, was er in gewissen Sinne ja auch ist. Als Joel dies durch Zufall herausfindet, unternimmt er die erste impulsive Tat seines Lebens und lässt sich Clementine aus seinem Gedächtnis löschen. Dazu muss er aber seine ganzen Erinnerungen mit Clementine chronologisch rückwärts noch einmal erleben und je weiter er zurück in die Vergangenheit kommt, desto mehr wird ihm klar, warum er Clementine geliebt hat. Mitten in der Behandlung beschließt Joel, dass er Clementine doch nicht vergessen möchte...

Obwohl ich im ersten Moment aufgrund der Wahl Jim Carreys als Hauptdarsteller entsetzt war, muss ich, nachdem ich den Film nun gesehen habe, den Produzenten einräumen, eine gute Wahl getroffen zu haben. Mein Problem mit Jim Carrey ist das folgende: Es gibt zwar auch einige recht gute Filme von ihm (Der Mondmann, Die Truman Show), aber ein großer Teil seiner Filmographie besteht aus Filmen, bei denen es essentiell war, Grimassen zu schneiden (Die Maske, Dumm und Dümmer, Ace Ventura). Vergiss mein nicht gehört zur ersteren Gruppe. Es gibt nur eine Szene, in der Carrey sein Gesicht verzieht, aber da ist es auch passend. Ansonsten zeigt er eine sehr gute Leistung und bietet einen sehr überzeugend gespielten, introvertierten Joel Barish. Kate Winslet hatte in diesem Film ein für sie neues Terrain abzudecken. Bisher vor allem bekannt durch ihre Hauptrolle in Titanic und in den letzten Jahren noch Iris und Das Leben des David Gale, war dies doch das erste Mal, dass sie eine so extrem extrovertierte Person darzustellen hatte. Aber auch hier gilt das gleiche wie für Jim Carrey: sie wirkt völlig überzeugend. Kate Winslet schafft es auf beeindruckende Weise, einen Kontrapunkt zum scheu wirkenden Carrey zu setzen. Auch die anderen Schauspieler (Kirsten Dunst, Elijah Wood, Tom Wilkinson) wirken in ihren Rollen überzeugend ohne in Stereotype abzuflachen, sind aber für den Hauptstrang der Handlung nicht so wichtig und dementsprechend bleiben sie meist im Hintergrund.

Sehr sehenswert sind auch die Kamerafahrten und Spezialeffekte. Manche fallen erst auf, nachdem sie schon passiert sind. So verschwindet zum Beispiel die Schrift auf Ladenschildern in dem Moment, in dem Joels Gedächtnis gelöscht wird. Oder Bücherrücken verlieren ihre Farbe, dann die Buchstaben und schließlich ganz zu verschwinden die Bücher ganz.

Lobenswert möchte ich auch noch erwähnen, dass Regisseur Michel Gondry entschied, die Übergänge zwischen Realität und Erinnerung direkt und ohne Hinweis für den Zuseher zu machen. Dieser Kunstgriff führt nämlich dazu, dass man sich erst im Laufe des Films klar wird, was gerade passiert und was nur eine Erinnerung ist.

Abgesehen von der Tatsache, dass man seine Erinnerungen heutzutage (noch) nicht so einfach aus dem Gedächtnis streichen kann, hat der Film ein recht realistisches Thema. Wie schon eingangs erwähnt, gibt es sicherlich in jedermanns Leben Momente und Freundschaften, die man am liebsten vergessen würde. Wenn man dann aber genauer darüber nachdenkt, und auch über die Konsequenzen, die sich mit dem Vergessen ergeben, dann relativiert sich das Ganze wieder, die schönen Erinnerungen brechen wieder hervor und überdecken die schlechten Momente. Genau darum geht es auch hier. Sobald Joel versteht, dass er Clementine eigentlich doch nicht mehr missen möchte (auch wenn er sie nicht mehr als Freundin haben kann), unternimmt sein Unterbewusstsein alles Mögliche, um zumindest eine Erinnerung an der Behandlung vorbeizuschummeln.

Der Film eröffnet mit einer der schönsten Begegnungen zweier Menschen in einem Film seit langem: der verschlossene Joel Barish und die weltoffene, spontane Clementine Kruczynski treffen am Valentinstag am Strand von Mantouk und verlieben sich bald ineinander. Und allein schon diese Szene wäre es wert, den Film uneingeschränkt weiter zu empfehlen. Aber Vergiss mein nicht oder im Original Eternal Sunshine of the spotless Mind kann noch mehr. Sehenwert!