Charlie und die Schokoladenfabrik
© September 2005 Thompson

Charlie and the Chocolate Factory

Originaltitel: Charlie and the Chocolate Factory

The Factory Opens July 2005.

Director: Tim Burton
Johnny Depp, Freddie Highmore, David Kelly, AnnaSophia Robb, Jordan Fry, Julia Winter, Philip Wiegratz

Runtime: 115 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2005


Der Name Roald Dahl war mir schon vor diesem Film ein Begriff, wenngleich ich auch bisher keines seiner Bücher gelesen hatte. "Mathilda" oder "James und der Riesenpfirsich" sind Titel, die weltweit bekannt sind - so auch "Charlie und die Schokoladenfabrik" . Dieses Buch wurde vor 30 Jahren schon einmal verfilmt, aber Dahl war mit der damaligen Umsetzung so unglücklich, dass er für den zweiten Teil ("Charlie und der große gläserne Fahrstuhl" ) sein Einverständnis verweigerte.

Diese Verfilmung hatte ich vor langer Zeit einmal gesehen, das Buch kannte ich noch nicht. Das waren also die Voraussetzungen, unter denen ich mich ins Kino begab. Im Großen und Ganzen stimmte das, was ich nun im Kino sah, auch mit meiner Erinnerung an den alten Film überein. Willy Wonka (im neuen Film dargestellt von Johnny Depp) ist heute wie auch vor über 30 Jahren der skurrile Besitzer einer Schokoladenfabrik, der in 5 Packungen goldene Tickets versteckt. Den fünf glücklichen Findern der Tickets wird eine Führung durch die seit 15 Jahre von keiner Menschenseele betretenen Fabrik versprochen und die ganze Welt reißt sich um diese Ehre. Auch die Gewinner der goldenen Tickets sind immer noch die selben: Augustus Glupsch (Philip Wiegratz) ist fett, Veruschka Salz (Julia Winter) ist verzogen, Violetta Beauregarde (Annasophia Robb) ist arrogant, Micky Schießer (Jordan Fry) ist neunmalklug und Charlie Bucket (Freddie Highmore) ist arm, aber zufrieden. Damals wie heute eliminieren sich die Kinder nach und nach selber, bis nur mehr Charlie überbleibt, der dann als Belohnung die Fabrik erben wird.

Die Handlung ist geradlinig und birgt keine Überraschungen in sich. Dass Charlie am Ende der glückliche Gewinner sein wird, ist von Anfang an klar, ebenso, dass die unsympathischen anderen Gewinner der goldenen Tickets keine echte Chance haben. Dazu sind ihre Charaktere viel zu einfältig und ihre Fehler zu offensichtlich. Hierbei kann man aber Regisseur oder Produzent (was auch immer und groß schreiben, oder?)Tim Burton keinen Vorwurf machen, denn wenn man– so wie ich – im Buch nachliest, wird man erkennen, dass sie schon von Roald Dahl so erschaffen wurden. Ich musste auch (nachträglich) feststellen, dass sich Tim Burton viel mehr an das Original hielt, als dies Mel Stuart im Jahre 1971 tat. Einzig und allein die in der aktuellen Version erzählte Kinder- und Jugendgeschichte Willy Wonkas, mit der versucht wird, sein Handeln zu erklären, entsprang der Fantasie von John August, der für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Tim Burton kann hier nämlich seinen persönlichen Stil ausleben, ohne weit vom Original abweichen zu müssen. Dies fällt vor allem in den Anfangs- und Außensequenzen auf. Die Gebäude wurden im typischen Burton-Stil (siehe auch A Nightmare before Christmas) erschaffen.

Was die Schauspieler betrifft, so bleibt hauptsächlich die Figur des Willy Wonka hängen. Johnny Depp versteht es ausgezeichnet, den etwas überdrehten Charakter darzustellen. Interessant fand ich auch eine kurze Szene, die auf eine frühere Zusammenarbeit von Tim Burton und Johnny Depp hinweist: als nämlich Willy Wonka seine Fabrik eröffnet und feierlich das Band durchschneidet, erinnert das Ganze für einen kurzen Moment an Edward mit den Scherenhänden. Die Kinder (allen voran Charlie) spielen solide und gut, können Johnny Depp aber nicht das Wasser reichen. Die oben schon erwähnte mangelnde Dreidimensionalität tut hier natürlich ihr übriges. Bemerkenswert bleibt noch der Auftritt von Deep Roy der mit Hilfe der Computertechnik hundertfach kopiert ganz allein für die Oompa-Loopas verantwortlich zeichnet.

Übrig bleibt somit ein vor allem vom Optischen her sehenswerter Film, der aber nie den Anspruch erhebt, tiefsinnig zu sein, sondern der nur eines will: unterhalten. Genauso wie es sich Roald Dahl gewünscht hätte.