Matrix: Reloaded
© Mai 2003 Aleks

The Matrix Reloaded

Originaltitel: The Matrix Reloaded

Free your mind.

Director: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss, Keanu Reeves, Hugo Weaving

Runtime: 138 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2003

Vier Jahre für eine Fortsetzung, das ist nach heutigen Maßstäben schon mal mindestens doppelt so lange, als man auszuhalten im Stande wäre. Und ob Matrix nun als Trilogie geplant war oder nicht spielt schon mal insofern keine so große Rolle mehr, als dass der zweite und der dritte Teil im selben Jahr erscheinen werden. Angehende und selbsternannte Matrix-Philosophen werden mit diesem Teil aber so ihre Schwierigkeiten haben, setzen die Wachowski Brüder doch mehr auf die Regeln einer Filmfortsetzung, anstatt auf eine neue, das Kino revolutionierende Idee. Wie halt damals.... vor vier langen Jahren.

Doch damals war ja, wie so oft, so und so alles besser. Da sind Millionen Euro teure Special Effects schon lange nicht mehr gut genug, für ein Kinopublikum, dessen Erwartungen schon weit jenseits alles vorstellbaren liegen. Reduziert sich das dann auf ein simples Planspiel, das nur das fortzusetzen vermag, was im ersten Teil schon recht klar angedeutet wurde, zerbricht die Welt der Matrix, und scheint als zerbrochener Spiegel einer doch irgendwie möglichen Scheinwelt so gar nicht mehr genehm zu erscheinen.

Zion als letzter Hort der Menschheit, die Nebukadnezar als das Schiff der Hoffnung und des Auserwählten, Morpheus als fanatischer Glaubenskrieger, Persephone als die schöne "Gefangene", das Orakel als Mutter der Matrix. Alles Sinnbilder für ein Misch Masch unterschiedlicher Mythologien, die vereint wurden, um eine Philosophie zu nähren, die so philosophisch dann doch nicht ist. Recht unwirklich und als "fan-service" erscheint eine Liebesszene zwischen Trinity und Neo, ein Fest in Zion mit sich windenden Leibern, gefangen in einer Ektase aus Hoffnungslosigkeit und Lebensfreude, angestachelt durch eine Rede von Morpheus, die wohl auch dem drittklassigsten Redenschreiber von George W. Bush zur Ehre gereichen würde. Inhaltslos, phantasielos. Aneinandergereihte wahllose Kampfszenen mit den schon üblichen Slow-Motion Einlagen wechseln sich ab mit platten Eifersuchtsszenen zu einem Spektakel, das irgendwo in Richtung Action Film tendiert und dort ohne Überzeugungskraft zum Stehen kommt. Wie ein Blitzlicht verschwindet eine im Vorfeld als Verführerin des Auserwählten hochgespielte Persephone in Bedeutungslosigkeit und nimmt zwei Albino Zwillinge gleich mit, da es diesmal schnell und einfach gehen muß.

So tanzt Neo seinen Tanz mit den Agenten im schwarzen Pfarrersmantel, gejagt von Smith, der sich aus dem Gesamtgefüge der Matrix, wohl dank Neos "Hilfe", entkoppeln konnte und sich einem Virus gleich vermehrt, den Mainframe der Matrix vor Neo zu erreichen. Individuelle Programme wie der Schlüsselmeister, erfüllen ihre Bestimmung, weil es nun mal so ist, und Neo sieht sich mit dem Vater der Matrix konfrontiert, der ihm, in Freud'scher Psychoanalyse gleich, seine in Versionsnummern abbildbare Bedeutungslosigkeit vor Augen führt.

Zum Schluß bäumt sich die Philosophie und Handlung zum letzten Male, schon am Rande eines Absturzes in das cineastische Nichts auf, und schafft es abermals auf sicheren Füßen zu landen, denn das Gesetz der Fortsetzung vermag es die Spannung, einem Cliffhanger gleich, bis zum finalen Teil aufrechtzuerhalten.

So schnappt man nach mehr als zwei Stunden nach Luft, denkt über die seltsamen Gesetze einer Filmfortsetzung nach, verflucht mal wieder den stumpfen Einheitsbrei aus Hollywood und notiert sich den nächsten Premierenstart im Kalender. Die Philosophen grübeln und schweigen, die Actionfans lachen und der schwarze Ledermantel verschwindet bis zum November im Kasten, denn irgendwie kommt man sich als bekennender Matrix-Fan dann doch etwas komisch vor.