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Ken Park
© Februar 2003Jake
Nach einer Vorführung von Ulrich Seidls Hundstage in New York meinte eine amerikanische Besucherin, der Film sei "sehr mutig" gewesen. "So etwas würde man bei uns nicht wagen." Zu diesem Zeitpunkt gab es Ken Park noch nicht. Der Film beginnt mit der temperamentvollen Skateboard-Fahrt eines männlichen Jugendlichen durch die kalifornische Kleinstadt Visalia, während der Soundtrack den Punkrock in seinem Walkmann spielt. Leben und Sterben dieses jungen Mannes namens Ken Park geben die Rahmenhandlung und den Titel ab für eine Story, die eigentlich mehr Zustandsbeschreibung als Geschichte ist. Es widerstrebt dem Rezensenten, von Inzest und Gewalt zu schreiben, so wie es andere getan haben, denn darum geht es in Ken Park nicht. Vielmehr geht es um einen Zustand der Unfähigkeit, das Leben zu genießen, den Tag zu pflücken, wie der Lateiner sagt, und das Beste daraus zu machen. Die Gründe für dieses Versagen sind überkommene fundamentalistische Moralvorstellungen, das enge Korsett der klassischen Mann-Frau-Kind-Familie und eine Sexualfeindlichkeit, die Sex für die Heranwachsenden zur verbotenen Droge und dadurch erst recht reizvoll macht. Die Aufnahmen kommen meistens sehr authentisch und direkt daher, obwohl auf nervenden modischen Schnickschnack wie Wackelkamera und Videoaufnahmen dankenswerterweise verzichtet wurde. Einige Fragen bleiben allerdings offen. Der Film sollte offenbar provozieren und schockieren. Aber ist es nötig (und sinnvoll!), einen jungen Mann beim Masturbieren derart prominent und detailliert ins Bild zu setzen? Heißt Schauspielen nicht auch, so tun als ob? Ist die unabgewandelte Darstellung des faktischen Geschehens nicht eher Pornographie als Kunst? Diese Fragen werden umso drängender, als dieser Stil NICHT konsequent durchgehalten wird. Eine faktisch echte Penetrationsszene wird nicht gezeigt, obwohl auch Sex zwischen Mann und Frau dargestellt wird. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Regisseur Larry Clark (Kids) eben das abgebildet hat, was seine Darsteller zu zeigen bereit waren, und weggelassen bzw. nur angedeutet hat, was sie nicht zeigen wollten. Kein sehr stimmiges Konzept. | ||||||