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Der Anschlag
© August 2002 Thompson
Jack Ryan is back! Er scheint allerdings auch eine Verjüngungskur hinter sich zu haben, denn vom alternden Harrison Ford, der sich im übrigen geweigert hat, das vorliegende Drehbuch zu verfilmen, hat er sich in den um etwa 30 Jahre jüngeren Ben Affleck gewandelt. Paul Attanasio und Daniel Pyne, die Drehbuchautoren mussten sich also überlegen, wie sie das Buch Tom Clancys in die Reihe der bisherigen drei Jack-Ryan-Filme (Jagd auf roter Oktober, Die Stunde der Patrioten und Das Kartell) integrieren konnten. Das Problem haben sie in diesem Fall dadurch gelöst, dass sie Jack Ryan (Ben Affleck) einfach ganz an den Anfang seiner Karriereleiter gestellt haben. Da sie den Film jedoch trotzdem in der Gegenwart spielen lassen, haben sie mit der Zeitlinie der bisherigen Filme gebrochen. Ob das die Freunde Jack Ryans gut finden oder nicht, muss sich erst noch zeigen.
Aber der Reihe nach: Der Film beginnt damit dass ein israelischer Kampfjet für den Sechstagekrieg mit einer Atombombe bewaffnet wird und zu seinem Einsatz abhebt. Nichtwissend, was genau mich in diesem Film erwarten würde, erwachten zu diesem Zeitpunkt auch schon die schlimmsten Befürchtungen in mir, dass wir es hier ein weiteres Mal mit einem Film über eine wahre Begebenheit, in Richtung Black Hawk Down, zu tun hätten. Doch nachdem der israelische Jet unsanft vom Himmel geholt wird und sich die Atombombe metertief im Sand versteckt, wurde ich beruhigt: es handelt sich doch nur um eine Geschichte aus der Feder Tom Clancys. Anfangs irritiert es etwas, dass die Atombombe von niemandem vermisst zu werden scheint, aber das ist sicher nur ein kleines Detail am Rande ohne das der Film ein Problem hätte, die restlichen 2 Stunden zu füllen. So aber wird sie nach etwa dreißig Jahren erst wieder gefunden und an russische Rebellen verkauft. Damit sind wir auch schon mitten in der Handlung: die USA und Russland haben ob des Tschetschenienkonfliktes einige diplomatische Schwierigkeiten, denn die Amerikaner unter der Führung von Präsident Fowler (James Cromwell, der sicher nicht nur zufällig eine gewisse Ähnlichkeit mir George W. Bush junior aufweist) befürchten, dass Russlands neuer Präsident Nemerov (Ciará Hinds) dort unnötige Härte und Brutalität zum Einsatz bringt. Dies scheint sich auch zu bestätigen, als sich Nemerov verantwortlich für einen Angriff mit biologischen Waffen bekennt. Nur Jack Ryan, der kurz nach seiner Anstellung beim CIA ein Dossier über den zu diesem Zeitpunkt noch recht unbekannten Nemerov zusammengestellt hat, ist da anderer Meinung. Doch dann wird die Sache erst kompliziert: Der Geheimdienst stellt fest, dass sich irgendwo in Russland eine nicht registrierte Atombombe befindet und es wird befürchtet, dass sie gegen die Vereinigten Staaten eingesetzt werden könnte. Dass es nicht die Russen, sondern Neo-Nazis (im Original Araber) sind, das wird sich erst später herausstellen, nachdem die Welt schon an der Schwelle eines Atomkrieges steht. Von diesem Ausgangspunkt her bildet sich nun Tom Clancys Story, die zwar wenige wirkliche Überraschungen bieten kann, aber dennoch spannend genug bleibt. Auch haben es Paul Attanasio und Daniel Pyne geschafft, genügend Witz in diesem Film zu verpacken, dass dem Zuseher auch in den Aktionpausen und den Phasen des Spannungsaufbaus nie wirklich langweilig wird. Allerdings muss ich die beiden oben erwähnten Drehbuchautoren und wahrscheinlich auch Tom Clancy (ich habe das Buch leider nicht gelesen und weiß deswegen nicht, ob ich ihn aus der Kritik aussparen kann) auch noch kritisieren: Schön und gut, dass Jack Ryan ein Mobiltelefon hat (man geht ja schließlich auch mit der Zeit), allerdings kann so ein Telefon ohne entsprechende Sender weit und breit nicht funktionieren. Als wirklich anstrengend und unangenehm auffallend muss ich allerdings die Musik bezeichnen. Jerry Goldsmith hat es geschafft, so viel Schmalz und Pathos in der Filmmusik zu verpacken, dass man die ganze bisherige Jack-Ryan-Serie auch noch damit hätte ausstatten können. Weniger wäre hier auf jeden Fall mehr gewesen. Doch nun zu den Schauspielern, und hier kann ich wiederum keinen wirklichen Kritikpunkt finden. Neben dem schon oben erwähnten Ben Affleck tritt in der ersten Hälfte des Films auch Mirgan Freeman auf. Die besten Szenen sieht man, sobald beide nebeneinander vor der Kamera stehen. Später wird Ben Affleck von Liev Schreiber kurzzeitig geholfen, den Zuseher gebannt zu halten. Und vor allem Liev Schreiber gebührt ein besonderes Lob, denn obwohl er nur recht wenig Zeit an der Leinwand verbringen darf, so schafft er es trotzdem, sich in die Erinnerung zu spielen und seine Leistung wird sicher als eine der besten des Films hängen bleiben. Noch etwas muss ich kritisieren: den Trailer dieses Films. Wer auch immer die Szenen für den Trailer zusammengestellt hat, hat wenig Gespür für Spannung bewiesen, denn wer den Trailer vor dem Film schon gesehen hat, der ist um die einzige wirkliche Überraschung (bzw. den einzigen wirklichen Spannungsmoment) in diesem Film gekommen, schon bevor dieser überhaupt angefangen hat. Für alle anderen gilt: Ein recht typischer Tom-Clancy-Film. Gut, aber nicht herausragend, aber für all jene sehenswert, die auf Action stehen. Und teilweise sogar schockieren. | ||||||