Mulholland Drive - Strasse der Finsternis
© Februar 2002 Jake

Mulholland Drive

Originaltitel: Mulholland Drive

A Love Story in the City of Dreams

Director: David Lynch
Justin Theroux, Naomi Watts, Laura Elena Haring, Ann Miller, Monty Montgomery, Billy Ray Cyrus

Runtime: 145 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2001

Wo Lynch draufsteht, ist auch Lynch drin. Das galt bisher - vielleicht mit Ausnahme des eigentümlichen Western The Straight Story - immer. Bei David Lynchs neustem Werk Mulholland Drive gilt es uneingeschränkt. Das Zweieinhalb-Stunden-Epos vereint alles, was den Autor und Regisseur berühmt gemacht hat.

Schon die erste Einstellung, als Intro vor den eigentlichen Handlungsbeginn montiert, fasziniert durch Irritation. Schemenhafte Gestalten wirbeln Rock'n'Roll tanzend durch das Bild, während die Musik, obwohl deutlich als Rock'n'Roll zu identifizieren, keine Leichtigkeit, sondern die Ahnung einer dunklen Bedrohung vermittelt. Mulholland Drive ist die Chronik einer Suche. Die erste Protagonistin (Laura Elena Haring) sucht nach ihrer Identität, nachdem sie bei einem Autounfall ihr Gedächtnis verloren hat. Die zweite Protagonistin (Naomi Watts), der die erste nur scheinbar zufällig begegnet, ist nach Los Angeles gekommen, um ihren Weg zu künsterischem Ausdruck und Ruhm zu finden. "Ich möchte ein Filmstar werden, oder noch besser eine große Schauspielerin", sagt sie an einer Stelle. Was die beiden Suchenden stattdessen finden, ist eine kurze Illusion von Glück, ein seltsames Theater namens "Silencio" und eine Frauenleiche, deren Identität ein schreckliches Geheimnis birgt.

Wie sinnvoll ist es, die Handlung eines David-Lynch-Filmes restlos verstehen zu wollen? Mancher behauptet, jeder Film sei für sich genommen ein in Bildersprache verschlüsselter Kommentar zu einem Problem der Zeitgeschichte. Andere gehen detektivisch vor, auf der Grundlage des Glaubens, die penible Beachtung und Kombination aller Details ergebe jeweils die Lösung eines hochkomplizierten Logikrätsels. Denkbar wäre aber auch, dass Lynch den Zuseher bewusst in die Irre führen will, dass er eben gerade unlösbare Rätsel prodziert. Natürlich könnte auch das als raffinierte Metapher für die Mysterien des Daseins gelesen werden. In jedem Fall gibt Lynch den grauen Zellen Futter. Wer nur Spaß haben will, wird seinen Filmen ohnehin fern bleiben.

Typisch Lynch ist neben der Handlung auch die Bildersprache von Mulholland Drive. Dass die Einstellungen über weite Strecken an die Fernsehästhetik angelehnt sind, rückt den Film in die Nähe der Fernsehserie Twin Peaks - ein Eindruck, der durch das Motiv der mysteriösen Frauenleiche noch weiter verstärkt wird. In den Special Effects verlässt sich Lynch - in offenem Gegensatz zum Hollywood-Mainstream - auf die gute alte Puppentrick-Animation, eine Entscheidung, die in der Zeit des digitalen Overkills geradezu schrullig wirkt. Die Ergebnisse vermögen trotzdem zu überzeugen. Das penetrante Zahnpastareklamelächeln euphorischer Los-Angeles-Besucher deutet Lynch am Ende vollkommen folgerichtig zu zähnefletschenden Fratzen um. Hollywood ist ein Alptraum.