Die Mothman Prophezeiungen – Tödliche Visionen
© Mai 2002 Thompson

The Mothman Prophecies

Originaltitel: The Mothman Prophecies

What Do You See? If you can't see it, are you safe? If you can see it, are you next?

Director: Mark Pellington
Richard Gere, Laura Linney, Will Patton, Debra Messing, Alan Bates

Runtime: 119 min
Rating: G | PG | PG-13 | R




Teil zwei der von mir so genannten Mystery-Trilogie wird mit den Mothman-Prophezeiungen eingeläutet. Die anderen beiden Teile sind Dragonfly - Im Zeichen der Libelle sowie das erst in ein paar Monaten ins Kino kommende Signs.

Wieder haben wir es mit übernatürlichen Ereignissen zu tun. Diesmal sogar auf einer wahren Begebenheit basierend. Zumindest wird uns das gleich am Anfang des Films so erklärt. Und die Person des John Klein (Richard Gere) hat auch tatsächlich existiert (er hieß zwar John Keel, aber wir sind hier nahe genug dran finde ich) und war – auch hier wiederum hat sich der Film an die Tatsachen gehalten – auch wirklich Reporter. Auch das Ende des Films, das ich hier allerdings nicht verraten will, ist meines Wissens mehr oder weniger so passiert (ein bisschen Hollywood muss man dem Film schon auch zugestehen). Aber ansonsten hat hier doch weniger das Leben und vielmehr Hollywood Hand ans Drehbuch gelegt. Das fängt schon einmal damit an, dass die Geschichte von den Sechziger Jahren (wo dies eben tatsächlich stattgefunden hat) in die Gegenwart verlegt wird. Jahr wird zwar keines genannt, aber allein schon die Tatsache, dass Klein ein relativ modernes Auto fährt und zwischendurch mit seinem Mobiltelefon einen Bekannten anruft, lässt darauf schließen, dass wir uns nicht mehr in den Sechziger Jahren befinden.

Aber ich will der Reihe nach vorgehen und dem Leser zuerst einen kurzen Überblick über die Handlung geben, bevor ich zu meiner Kritik zurückkehre: John Klein verliert seine Frau Mary (Debra Messing) nach einem Autounfall, bei dem gleichzeitig festgestellt wird, dass sie an einem Kopftumor leidet. In ihrem Nachlass findet er einen Notizblock, der voll von schwarzen Figuren ist, dem Mottenmann, wie wir später erfahren werden. John weiß allerdings noch nichts davon und geht weiterhin ganz normal seiner Arbeit nach. Ein paar Jahre später soll er von Washington nach Richmond fahren, um einen Senator zu interviewen, endet aber unerklärlicher Weise mit einem defekten Auto im 400 Meilen entfernten Point Pleasant. Nach einem doch etwas unfreundlichen Empfang beschließt John, seinen Aufenthalt etwas zu verlängern um die näheren Umstände seiner Reise zu erkunden. Im Zuge seiner Erkundungen findet er heraus, dass es hier in Point Pleasant mehrere Leute gibt, die ähnliche Kreaturen gesehen haben, wie die von seiner Frau gezeichneten. Und als er dann auch noch erfahren muss, dass der Mottenmann in der Regel Tod verkündet, weiß er, dass ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Die Frage ist nur, welches ist das Ziel des Todes?

Wie schon eingangs erwähnt, haben wir es hier mit einem weiteren Mystery-Streifen zu tun. Diesmal in der Hauptrollen – neben Richard Gere natürliche – der Mottenmann, der den ganzen Film über unscharf bleibt. Das ist auch gut so, denn schließlich hat ihn auch noch niemand gesehen. In diesem Punkt muss man dem Film auch ein Lob aussprechen, denn er versucht zumindest nicht krampfhaft Sachen zu zeigen, die man nicht beschreiben kann. Das einzige, das man vom Mottenmann ständig sieht, sind seine rot glühenden Augen. Und wir lernen schon am Anfang, dass er ein Ypsilon-förmiges Zeichen hinterlässt, wenn er gegen die Kühlerhaube eines PKW’s prallt. Allerdings hat das dann mit dem ganzen Rest des Films nichts mehr zu tun.

Da ich gerade dabei bin, Lob auszusprechen, will ich gleich mit den Kameraperspektiven weitermachen. Denn hier hebt sich der Film positiv von Dragonfly ab. Sie sind zum Teil neu bzw. zumindest selten verwendet und auf ihre eigene Art skurril und nett.

Das ist aber auch schon so ziemlich alles, was ich positives über diesen Film sagen kann. Aber vielleicht sind auch die Erwartungen an Mark Pellington, der immerhin auch zum brillianten Arlington Road Regie geführt hat etwas zu hoch gewesen. Aber nicht allein dem Regisseur ist hier die Schuld in die Schuhe zu schieben. Es fängt schon einmal damit an, dass mich die Story regelmäßig an andere Filme erinnert hat. Sei es an die Akte X (speziell als John Kleins Auto plötzlich mitten in der Nacht auf offener Strasse mit einem Totalausfall stehen bleibt; und hab ich schon erwähnt, dass dann zufällig auch sein Mobiltelefon nicht mehr geht?) oder aber an andere Mystery-Filme. Wir haben skurrile Telefonanrufe (die augenscheinlich nicht von einem menschlichen Wesen getätigt wurden) und wird haben auch ein mysteriöses Abflussrohr, dass über eine Stunde lang mit jeden spricht, der ihm nur zuhört.

Wozu Klein’s Frau am Anfang auftreten (und sterben) hat müssen, das bleibt auch irgendwo ein Rätsel, das nur der Drehbuchautor zu lösen versteht.

Die Leistung der Schauspieler trägt auch nicht gerade dazu bei, dass man sich diesem Film besser in Erinnerung behält. Zugegeben, sie sind nicht schlecht, vor allem Richard Gere und auch Laura Linney (und wieder eine Parallele zu den X-Akten) spielen und harmonieren gut. Aber eben nicht umwerfend. Das kann aber vielleicht auch daran liegen, dass man sich anfangs etwas schwer tut, Richard Gere nicht in seiner klassischen Rolle als Gigolo zu sehen.

Alles in allem ist der Film sicher um eine Klasse besser als Dragonfly, allerdings bin ich der Meinung Hollywood könnte noch besser sein und ich lege hier meine ganze Hoffnung in den in ein paar Monaten startenden Film Signs (mit Mel Gibson). Mal sehen, ob der in der Lage ist, die immerhin erkennbare Steigerung fortzusetzen und zu einem hoffentlich krönenden Abschluss zu bringen. Ansonsten würde ich sagen, dass wir es in den Mothman Prophezeiungen mit einem Mystery-Horrorfilm der Mittelklasse zu tun haben.