Der Mann ohne Vergangenheit
© November 2002 Mario

Der Man ohne Vergangenheit

Originaltitel: Mies Vailla Menneisyyttä

Director: Aki Kaurismäki
Markku Peltola, Kati Outinen, Annikki Tähti, Juhani Niemelä

Runtime: 97 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
Finnland, Deutschland, Frankreich 2002



Herr M, von Beruf Schweißer, reist per Zug in eine andere Stadt. Während einer Rast im Park wird er dort von Raufbolden halb-tot geprügelt. Blutüberströmt schleppt sich Herr M in auf die nächste öffentliche Toilette und fällt ins Kome. Ein Wächter bemerkt ihn, und verständigt die Rettung. Noch immer bewusstlos wird er im Spital für tot gehalten. Doch kurz darauf erwacht er aus seinem Koma und verlässt unbemerkt das Gebäude. Erneut im Koma wird er von Nieminen, einem Tagelöhner, der mit seiner Familie in einem heruntergekommenen Container am Hafen wohnt, verpflegt. An seinen Namen und seine Herkunft kann sich M nicht mehr erinnern. Und so beginnt er, sich in Gesellschaft der in Finnland so genannten B-Menschen in einem Container einzurichten. Kurze Zeit darauf lernt er die Heilsarmee-Offizierien Irma (Kati Outinen) kennen, in die er sich verliebt. Seine handwerklichen Kenntnisse als Schweißer ermöglichen es ihm einen Job zu finden. Bei Eröffnung eines Kontos wird er Zeuge eines Banküberfalls. Als die Polizei seine Personalien wegen seines verlorenen Gedächtnisses nicht aufnehmen kann, wird er kurzerhand eingesperrt und kommt mit Hilfe eines von der Heilsarmee gesandten Rechtsanwalts, im Rahmen eines recht amüsanten Paragraphengefechts zwischen Rechtsanwalt und Kommissar, wieder frei. Etwas später wird er vom Kommissar über seine wahre Identitüt informiert. Schweren Herzens tritt der Finne die Rückreise an, um zu erfahren, dass er sich kurz vor seiner Reise von seiner Frau hat scheiden lassen. Nun steht dem Liebesglück zwischen dem Finnen und Irma nichts mehr im Wege und er begibt sich schnur-stracks wieder in ihre Arme.

Der mit dem Grand Prix du Jury 2002 in Cannes ausgezeichnete und als Oscar-Anwärter gehandelte Film, zeigt das Leben in den unteren Schichten der Gesellschaft Finnlands, in der jeden Tag aufs Neue ums Überleben gekämpft wird. Gleichzeitig erschafft Kaurismäki durch originelle Dialoge, lange Kameraeinstellungen und einer Handlung die Zeit zum Atmen lässt eine Atmosphäre grimmiger Heiterkeit, die zeitweise Erinnerungen an Comics und die trockenen Dialoge eines Dick Tracy oder John Wayne wach ruft. Die Szenerie wirkt in ihrer Trostlosigkeit und Reduktion auf das Wesentliche künstlich, beinahe Comic-Haft und schafft es dennoch als Sozialkritik ernst genommen zu werden. Die einzelnen Charaktere, Dialoge sind auf ein Mindestmass reduziert und scheinen trotzdem oder gerade deswegen scharf und vollständig. Diesen Film kannich ruhigen Gewissens allen Freunden des "langsamen" Kinos ans Herz legen.