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Iris
© Juni 2002 Thompson
Iris ist eine wahre Geschichte. Die Person (Iris Murdoch), deren Leben hier porträtiert wird hat wirklich gelebt, war die Autorin von 26 Büchern und ist auch wirklich, wie im Film dargestellt wird, an Alzheimer verstorben.
Um es gleich vorwegzunehmen: Iris ist einer der wenigen Filme der letzten Monate, bei denen ich die Zeile "basierend auf einer wahren Geschichte" nicht als Warnmeldung ansehen musste. Denn fast alle Filme der letzten Zeit, die diese Meldung enthielten, haben sich als langatmig und wenig sehenswert entpuppt. Egal ob ich jetzt von den Mothman Prophezeiungen, von Black Hawk Down, von The Rookie (einem Baseballfilm der dem europäischen Kino hoffentlich erspart bleiben wird) oder von A Beautiful Mind (der im Vergleich mit Iris ganz klar den Kürzeren zieht) spreche. Dabei bin ich gar nicht der Meinung, dass es daran liegt, dass das Leben keine spannenden Geschichten schreibt, denn bei der Geschichte eines Menschen hat Hollywood immer noch nachgebessert, sondern es liegt ganz einfach an der Umsetzung. Und genau hier ist wahrscheinlich auch der große Vorteil von IRIS gegenüber all den oben erwähnten Filmen zu sehen. IRIS wurde nämlich nicht in Amerika, sondern in England produziert. Und englische Filme haben in der Regel einen ganz anderen Ansatz zu einem Thema als amerikanische. Vor allem aber scheuen sie sich nicht, auch mal die harte Realität zu zeigen. Aber zurück zum Film, und da zuerst einmal zu Inhalt. Wie schon weiter oben erwähnt, handelt es sich bei diesem Film mehr oder weniger um die Biographie der britischen Autorin Iris Murdoch, gespielt von Judi Dench bzw. Kate Winslet. Wir erleben 2 Zeitperioden aus Iris's Leben: die Periode, in der sie ihren künftigen Ehemann John Bayley (Hugh Bonneville bzw. Oskarpreisträger Jim Broadbent) kennen lernt und dann die Periode, in der sie an Alzheimer erkrankt. Am Anfang sind die Sprünge zwischen diesen Perioden etwas verwirrend, da sie knapp aufeinander folgend und unangekündigt sind, aber sobald man sich daran gewöhnt hat, genießt man das spielerische Element, das mit Hilfe von solchen Schnitten in den Film gebracht wird. Und das bringt mich dann eigentlich auch schon wieder vom Inhalt weg zum kritischen Teil dieser Abhandlung und hier werde ich mit den Schauspielern beginnen. Jim Broadbent hat für seine Rolle in diesem Film den Oskar erhalten und er war mehr als verdient. Während wir ihn in den letzten Jahren von Iris Murdoch begleiten, wird dem Zuseher mehr und mehr klar, wie sehr er mit der Pflege seiner über alles geliebten Gattin überfordert wird (brilliant und dennoch unauffällig durch den Zustand der Wohnung dargestellt). Man könnte fast meinen, Jim Broadbent hat sein ganzes Leben lang nichts anderes getan, als für diese Rolle zu üben. Auch bei Judi Dench war es eigentlich schon von vornherein klar, dass es keine Klagen bezüglich der Leistung geben kann. Ihre Rolle war fast noch schwieriger darzustellen als die von Jim Broadbent und es gelingt ihr ausgezeichnet. (hier hat es allerdings "nur" zur Oscarnominierung gereicht). Ebenso muss man die Leistung der Kate Winslet loben. Abgesehen von seiner Leistung ist das bemerkenswerteste an Hugh Bonneville seine Ähnlichkeit mit Jim Broadbent, die ihn ganz klar zur idealen Besetzung des jungen John Bayley gemacht hat. So muss ich sagen, dass die Auswahl der vier Hauptdarsteller besser nicht hätte sein können. Ein englischer Film über Alzheimer, der aufrüttelt. Sehr sehenswert. | ||||||