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Ernst sein ist alles
© September 2002 Thompson
Ernst sein ist alles oder "The Importance of being Earnest" (Oscar Wilde hat hier ein in meinen Augen schönes Wortspiel gleich im Titel untergebracht und zeichnet so eigentlich schon den Pfad der ganzen Geschichte vor) ist die zweite Komödie Oscar Wildes, die es der letzten Zeit ins Kino schafft. Fast scheint es mir, dass es endlich neben William Shakespeare noch ein zweiter "klassischer" Autor geschafft hat, seine Stücke ins Kino zu bringen. Trotzdem gibt es meiner Ansicht nach einen Unterschied zwischen den beiden: denn während es bei Shakespeare modern zu sein scheint, seine Stücke in die Gegenwart zu verlegen, um so ihrer Aktualität Ausdruck zu verleihen (siehe O, Hamlet oder Romeo und Julia), ist mal bei Wilde eher darauf bedacht, die Änderungen klein und unscheinbar zu lassen. Zugegeben, auch hier werden "Modernismen" gebraucht (ich glaube nicht, dass sich Gwendolyn in Oscar Wildes Original ein Tattoo mit dem Namen ihres Geliebten auf den Hintern hat machen lassen), aber diese bleiben in der Regel im Hintergrund und die Zeit in der die Geschichten spielen, bleibt auch weiterhin die Jahrhundertwende. Regisseur Oliver Parker scheint sich zu so etwas wie einem Oscar Wilde Spezialisten zu entwickeln, denn er war es auch, der den letzten Wilde-Film An ideal Husband ausgezeichnet für das Kino umgesetzt hat. Und auch einer der Hauptdarsteller, nämlich Rupert Everett, der für die Rolle des Algernon verantwortlich zeichnet, ist ein "Wiederholungstäter". Auch der Rest der Darsteller kann sich sehen lassen und sollte mit ein Grund dafür sein, dass der Film im Kino (hoffentlich) nicht allzu schlecht abschneidet. Judi Dench (zuletzt gesehen in Iris), Colin Firth (bekannt aus Schokolade zum Frühstück) und auch Reese Witherspoon (Natürlich Blond) waren in der letzten Zeit schon in bekannten Produktionen zu sehen und ihre Namen sprechen für sich. Nach dieser doch etwas längeren Einführung nun aber zum Film, dessen Handlung schnell nacherzählt ist. Sowohl Algernon als auch sein Kollege Jack (Colin Firth) führen in gewissem Sinne ein Doppelleben. Algernon gibt vor, einen todkranken Bekannten names Burnbury zu haben, dem er "zufällig" immer dann beistehen muss, wenn seine Tante Lady Bracknell (Judy Dench) zu Besuch kommen will und Jack gibt sich in der Stadt als sein eigener Bruder Earnest aus. So weit so gut. Kompliziert wird das ganze dann erst, sobald Frauen ins Spiel kommen, nämlich zum einen Gwendolen (Francees O'Connor), die Cousine von Algernon und zum anderen Cecily (Reese Witherspoon), die Nichte Jacks. Beide wollen den jeweils anderen ehelichen. So richtig kompliziert wird die ganze Geschichte allerdings dann, wenn man weiß, dass beide Frauen die Männer ihres Herzens nur unter dem Namen Earnest kennen... Bei den Darstellern gibt es dem oben erwähnten eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen. Einzig und allein bei Rupert Everett kam es mir so vor, als ob er nicht mehr ganz an seine Leitung in An ideal Husband heranreichen konnte. Allerdings ist er trotzdem weit davon entfernt, schlecht zu spielen. Alle anderen Schauspieler spielen ausgezeichnet, wie man es bei einem solchen Aufgebot auch nicht anders erwarten konnte. Zugegeben, die Story artet manchmal fast schon etwas ins Lächerliche auch, aber nachdem das ganz dem Original Oscar Wildes entspricht, kann man hieraus den Drehbuchautoren keinen Strick drehen. Auch Oscar Wilde hat schon etwas gewagte Story-Sprünge eingebaut. Das kann allerdings auch darauf zurückzuführen sein, dass das Stück nicht für den Film sondern für die Bühne konzipiert war und sich am Ende einfach alle losen Enden wieder verknüpfen sollten. Auch wenn diese Wilde-Verfilmung alles in allem gesehen nicht ganz an An ideal Husband heranzukommen vermag, kann uns Oliver Parker dennoch 97 Minuten unbeschwerten Kinoerlebnisses bieten. | ||||||