Ice Age
© April 2002 Thompson

Ice Age

Originaltitel: Ice Age

Ice Age is coming.

Director: Carlos Saldanha & Chris Wedge
Voices: Ray Romano, John Leguizamo, Denis Leary, Alan Tudyk

Runtime: ca. 75 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2002



Durch die beiden im letzten Jahr so erfolgreichen Animationsfilme (Shrek und die Monster AG) wurde die Latte für die Blue Sky Studios für ihre erste Animation in Spielfilmlänge recht hoch gelegt. Es verwundert aber eigentlich, dass sich Fox nach dem Desaster mit Titan A.E. (wir erinnern uns: nachdem die Einspielergebnisse mehr als mager blieben, musste das Animationsstudio von Fox geschlossen werden) wieder mit den Blue Sky Studios als Animationspartner in dieses Terrain wagt. Aber Konkurrenz kann nie schaden.

Ice Age ist mit Sicherheit einer der Filme, die aufgrund eines netten und wirklich guten Trailers im heurigen Jahr die Erwartungen der Zuschauer immer wieder in unbeschreibbare Höhen getrieben hat. Zugegeben, vor allem der erste Trailer, in dem das Säbelzahneichhörnchen Scrat im Versuch, eine Eichel im Eis zu vergraben, versehentlich einen ganzen Berg zum Einstürzen bringt, war auch sehr gut. Die beiden weiteren Trailer (und dabei vor allem der zweite) konnten dieses Niveau leider nicht mehr ganz halten.

Und genau da liegt meiner Ansicht nach auch schon das große Problem von Ice Age. Die Latte lag aufgrund der Trailer so hoch, dass der Zuseher eigentlich fast nur mehr enttäuscht werden kann. Und die erste Enttäuschung erwartet den Kinobesucher auch schon, bevor der eigentliche Titel eingeblendet wird: der erste Trailer, in dem man Scrat kennen und lieben gelernt hat, wurde nicht, wie das manchmal (z. B. beim Teaser der Monster AG) gemacht wurde, extra gedreht, sondern entspricht zu fast hundert Prozent den ersten 5 Minuten im Film. Und die zweite Enttäuschung in diesem Film (obwohl man darauf eigentlich schon aufgrund der Trailer 2 und 3 vorbereitet hätte sein sollen) ist die, dass Scrat keine tragende Rolle in diesem Film hat. Eigentlich hat er gar keine wirkliche Rolle, er taucht nur hin und wieder auf und bringt mit seiner Eichel etwas Slapstick in den Film. Noch viel schwerer allerdings wiegt, dass man fast alle Szenen mit Scrat schon gesehen hat, wenn man die Trailer gesehen hat. Nur zwei oder drei zusätzliche Szenen erwarten den Kinobesucher.

Wenn man weiß, dass Ice Age der erste abendfüllende Animationsfilm der Blue Sky Studios ist, verwundert es auch nicht, dass der Film in der Eiszeit spielt, denn auf diese Art musste man sich wenig bis gar nicht um aufwändige Hintergründe kümmern und konnte so fast den ganzen Aufwand in die Hauptfiguren stecken. Zum Teil sieht man diesem Film auch an, dass er der erste große Film dieses Studios ist, denn während es an den Hauptfiguren so gut wie nichts auszusetzen gibt, fühlte ich persönlich mich beim Anblick der Menschen (Mutter und Kind ausgenommen) an ein modernes Computerspiel zurückerinnert. Kantig und grobschlächtig und mit kurzen ruckartigen Bewegungen. Alles schon am Computer gesehen und ich bin mir sicher, man könnte es besser machen. Und was die sonstige Animation betrifft, so kam mir vor, dass es einmal Hui und dann gleich wieder Pfui war. Bestes Beispiel ist das Wasser: teilweise wirklich genialst animiert, so dass es der Realität um nichts nachsteht, haben wir im nächsten Augenblick (die Wassertropfen, als die Mutter auf der Flucht eine Furt durchquert) schreit wieder alles ganz laut: "Ich komme vom Computer".

So, nun wurde aber genug schwarz gemalt, denn so schlecht, wie der letzte Absatz geklungen hat, ist der Film nun doch nicht, auch wenn ich – um noch ein letztes Mal eine negative Kritik über diesen Film anzubringen – von der Storyline nicht gerade umgeworfen wurde. Kurz zusammengefasst: 2 prähistorische Tiere (das Faultier Sid und das Mammut Manni) finden ein Menschenkind und beschließen, es wieder seiner Herde zurückzubringen. Dabei werden sie noch vom Säbelzahntiger Diego unterstützt, der das Kind zwar erst töten will, dann aber doch eines besseren belehrt wird.

So, jetzt aber wirklich. Jetzt will ich wirklich damit aufhören, den Film schlechter zu machen, als er eigentlich ist. Denn er bietet die ganzen 75 Minuten, die er läuft gute Unterhaltung. Selten gibt es Durchhänger und dem Zuseher wird auch nie langweilig. So gut wie jede Szene ist für einen Lacher gut.

Was ist eigentlich daran, dass an es an manchen guten Filmen so viel zum Aussetzen gibt. Eigentlich hätte ich jetzt dasitzen sollen und den Film quer über den grünen Klee loben, um jeden Leser dazu zu animieren, sich diesen Film anzuschauen. Denn die Fehler, die er hat, fallen entweder gar nicht wirklich auf, oder aber sind so unwichtig, dass man sie ihm problemlos verzeihen kann. Er ist wirklich mehr als wert, gesehen zu werden (nur bitte ich darum, die Erwartungen, was Scrat betrifft, etwas herunterzuschrauben, der eigentliche Hauptdarsteller ist Sid).