Dragonfly - Im Zeichen der Libelle
© April 2002 Thompson

Dragonfly

Originaltitel: Dragonfly

When someone you love dies... are they gone forever?

Director: Tom Shadyac
Kevin Costner, Susanna Thompson, Kathy Bates

Runtime: 103 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2002

Immer wieder schafft es Hollywood, dass 2 Studios mehr oder weniger gleichzeitig einen Film zu einem ähnlichen Thema ins Kino bringen. In den letzten Jahren hatten wir dazu Ants versus A Bug's Life, Armageddon versus Deep Impact und EdTV versus Trueman Show, um nur einige zu nennen. Und jetzt scheint die Mystery-Schiene gut zu gehen. Neben Dragonfly werden wir in Bälde auch noch mit den Mothman Prophecies und mit Signs verwöhnt werden. Diesmal also gibt es zumindest 3 Studios, die sich ein augenscheinlich erträgliches Thema sichern wollen.

Zumindest im deutschsprachigen Raum wird Dragonfly – im Zeichen der Libelle der Film sein, mit dem sich die anderen beiden (die im übrigen mit noch mehr Gemeinsamkeiten als nur dem Thema Mystery aufwarten können) vergleichen lassen müssen.

Aber bleiben wir vorerst mal bei Dragonfly. Der erfolgreiche Arzt Joe Darrow (Kevin Costner) hat, wie wir gleich am Anfang in Rückblenden erfahren, seine schwangere Frau Emily (Emma Thompson und ebenfalls eine Ärztin) bei einem humanitären Einsatz in Venezuela verloren und kommt über diesen Verlust nicht ganz hinweg. Mittels langer Dienstschichten und wenig Freizeit versucht er, auch ein halbes Jahr nach seinem schmerzhaften Verlust, Vergessenheit zu finden, was aber nicht ganz gelingt. Um ihn nicht ganz zu einem einsamen Sonderling verkommen zu lassen, ordnet der Verwalter des Krankenhauses einen Erholungsurlaub an. Soweit der reale Teil. Nun beginnt der Film, ins Mystische abzurutschen. Denn plötzlich sieht Joe überall verwischte Kreuze, die so ähnlich aussehen, wie im Filmplakat dargestellt). Natürlich kann er nichts damit anfangen. Ebenso wenig Klarheit bringt seine Begegnung mit einem Jungen, der schon mehrere „Near-Death-Experiences“ hatte und der ihm erklärt, er hätte dort Emily im Regenbogen getroffen. Kurz bevor er, der immer nur an Fakten glaubende Arzt, wirklich verrückt wird, trifft er auf eine Nonne, die ihn beruhigt, indem sie ihm erklärt, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt als der Mensch wahrnehmen kann und will. Außerdem ist es nicht ganz ausgeschlossen, Emily Joe noch unbedingt etwas mitteilen will…

Die Toten sind also in letzter Zeit wieder vermehrt unter uns. The Sixth Sense hat sie wieder salonfähig(er) gemacht. Leider kann dieser Film jedoch nicht auf ein überragendes Drehbuch zurückgreifen und so gehen viele der gewünschten Effekte einfach ins Leere. Besonders einfallslos wird es jedoch gegen Ende, als Joe noch einmal Venezuela besucht. Der Schluss hingegen wird wieder akzeptabel, aber jeder, der in den vorhergehenden etwa 90 Minuten aufgepasst hat, dem sollte es schon vorher klar sein. Auch sonst bleiben nach Ende des Films so einige Fragen offen: Wenn es ein Geist schafft, mysteriöse Zeichen auf die Wände und in den Boden zu malen, wenn es derselbe Geist schafft, einen schweren Briefbeschwerer quer durch das Zimmer zu schleudern oder aber innerhalb kürzester Zeit einen leer geräumten Schrank wieder zu füllen, warum kann derselbe Geist dann nicht einfach Papier und Bleistift zur Hand nehmen und seine dringende Nachricht (und dass es dringend ist, dass die Nachricht übermittelt wird, daran lässt der Film keine Zweifel) niederschreiben? Ja, ich weiß, dann wäre der ganze Film dazu nicht nötig gewesen...

Dem Regisseur Tom Shadyac darf hier eigentlich kaum ein Vorwurf gemacht werden, denn er hat die Kurve von der Komödie ins ernstere Filmfach doch recht gut geschafft (Ace Ventura oder Patch Adams sind nur einige seiner bekannteren Werke). Aber wenn das Drehbuch zu lückenhaft ist, kann selbst die beste Crew nicht mehr viel ausrichten. Da wir gerade von der Crew sprechen: Kevin Costner wird dem Zuseher am Ende des Films nicht wirklich als überragender Schauspieler in Erinnerung bleiben, zu steif und zu wenig human wirkt er dazu in den meisten Szenen. Nebenbei wird er auch noch in manchen Szenen zu klar von Kathy Bates an die Wand gespielt und selbst der junge Jeffrey (Robert Bailey Jr.), eben jener Junge, der Joe den entscheidenden Hinweis auf die Kreuze gibt, kann dem großen Kevin Costner problemlos das Wasser reichen.

Mit diesem Film wurde für die nachfolgenden Mystery-Filme die Latte nicht allzu hoch gelegt und ich bin der Meinung, dass sich derjenige, der nur ausgewählte Filme zu diesem Thema anschauen will, getrost auf den nächsten Warten kann. Ein Muss ist dieser Film garantiert nicht.

Und, ach ja, bevor ich’s vergesse: die im Titel erwähnte Libelle kommt eigentlich nur recht nebensächlich vor: Libellen waren nämlich aufgrund eines solcherart geformten Muttermals immer die Glückszeichen für Emily und immer wieder trifft Joe auf dieses Zeichen, sei es an Emily’s Briefbeschwerer oder am vorsorglich schon für das Baby bestellten Mobile.