Die Bourne Identität
© Oktober 2002 Thompson

The Bourne Identity

Originaltitel: The Bourne Identity

He was the perfect weapon until he became the target.

Director: Doug Liman
Matt Damon, Franka Potente, Chris Cooper, Clive Owen, Brian Cox, Julia Stiles

Runtime: 118 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2002

Die Zeit ist reif für amerikanische Helden. Das wird sich auch Universal Pictures gedacht haben, als sie sich daran machten, das inzwischen über 20 Jahre alte Buch Robert Ludlums "The Bourne Identity" zu verfilmen. Ludlum ist neben Tom Clancy einer der fixen Größen am amerikansichen Autorenhimmel und nachdem "The Bourne Identity" der erste von 3 Bänden ist, in denen Jason Bourne mitspielt, können wir jetzt schon auf die beiden Fortsetzungen gespannt sein.

Der Film beginnt recht spannend. Mitten aus dem Mittelmeer wird ein Schwerverletzter geborgen, der neben 2 Kugeln im Rücken auch noch in der Hüfte den Zugang zu einem Schweizer Nummernkonto implantiert hat. Und der Kinobesucher weiß gleich viel wie der (noch namenlose) Hauptdarsteller (Matt Damon) selbst, nämlich gar nichts. Weder warum er halbtot im Meer getrieben ist und wie es dazu kam, noch wer er eigentlich ist. Die Suche nach der eigenen Identität führt ihn zunächst in die Schweiz und von dort nach Paris. Erschwert wird das ganze Unterfangen durch angeheuerte Mörder, die es auf Jason Bournes Kopf abgesehen haben.

Der schon von Memento bekannte Ansatz eines an Amnesie leidenden Hauptdarstellers wird hier wieder aufgegriffen. Wer allerdings dabei von wem abgekupfert hat, das wage ich nicht zu behaupten, schließlich stammt die Romanvorlage, wie oben erwähnt, aus dem Jahre 1980. (Und ganz nebenbei gab es im Jahre 1988 auch noch einen auf Ludlums Buch basierenden 4-stündigen TV-Film mit Richard Chamberlain in der Titelrolle). Trotzdem ist der Ansatz noch relativ unverbraucht und vermag auch zu gefallen. Wer Jason Bourne wirklich ist, das kann der Zuseher wahrscheinlich, ob einiger Hilfen des Regisseurs, schneller herausfinden also Matt Damon.

Regisseur Doug Liman leistet in diesem Film ganze Arbeit, denn während der fast 2 Stunden die der Film dauert, wird dem Zuseher eigentlich nie langweilig. Wirklich loben muss man ihn dafür, dass er die Gratwanderung zwischen Realität (oder zumindest dem, was real sein könnte) und Fiktion mit schon fast schlafwandlerischer Sicherheit zu gehen vermag. Denn wo ein James Bond zu gefinkelten technischen Hilfsmitteln greifen muss, die ihm Q zur Verfügung stellt, ist Jason Bourne so gut wie ganz auf sich alleine gestellt. Zugegeben, er hat Marie (Franka Potente) bei sich, die es ganz gut schafft, ihm zu helfen. Außerdem gibt sich Doug Liman auch nicht der Versuchung hin, die Kampfszenen - wie es zumindest seit Die Matrix schon fast modern ist - künstlich aufzupeppen. Hier sind sie schnurgerade ohne jegliche Spielerei, weder von der Kamera(fahrt) noch von den Darstellern. Einfach, knapp und präzise.

Die etwas unbeholfen wirkende Art Matt Damons kann zwar in manchen Filmen fehl am Platze wirken, hier passt sie aber genau hin, denn sie unterstreicht die Tatsache, dass Jason Bourne ein Mann ohne Vergangenheit ist, umso genauer. Wann immer er intuitiv etwas macht und dabei von seiner Vergangenheit lernt (die ihm im übrigen umso schlechter gefällt, je mehr er davon weiß), so scheint er selber derjenige zu sein, der am meisten überrascht ist. Auch Franka Potente vermag in diesem, ihren zweiten großen Hollywoodfilm zu überzeugen. Auch wenn sie neben Matt Damon auf der Leinwand zu sehen ist, schaut es nicht so aus, als ob er die ganze Aufmerksamkeit des Zusehers an sich zu reißen vermag.

Wenn man lange genug über den Film nachdenkt, dann offenbaren sich genügend Gedankensprünge und Lücken bzw. Fehler im Film, aber trotzdem kann er für die Dauer von 2 Stunden spannende und gute gemachte Unterhaltung bieten und ist allein schon deshalb in die als sehr guter Mittelklassenfilm einzuordnen. Und genügend Witz hat er auch, der Film, sowohl was die so genannten One-Liner angeht als auch filmisch (man beachte nur die Verfolgungsjagd quer durch Paris in einem alten Mini Cooper).