Kick it like Beckham
© Oktober 2002 Thompson

Bend it like Beckham

Originaltitel: Bend it like Beckham

Who wants to cook Aloo Gobi when you can bend a ball like Beckham?

Director: Gurinder Chadha
Parminder K. Nagra, Keira Knightley, Jonathan Rhys-Meyers, Anupam Kher,

Runtime: 112 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
UK 2002

Warum? Warum nur muss der deutsche Verleih für das deutschsprachige Publikum aus dem englischen Originaltitel "Bend it like Beckham" den nicht minder englisch klingenden Titel "Kick it like Beckham" machen? Ich werde das wohl nie verstehen! Ist der deutsche Zuseher zu dumm, den englischen Begriff to bend (krümmen – in Anspielung auf Beckhams Flanken) zu verstehen und man muss deswegen diesen Begriff in to kick (schießen, treten, kicken) ändern? Und falls ja, warum hat sich der deutsche Verleih dann nicht gleich zu einem vollständig deutschen Titel durchgerungen? Vielleicht etwas in die Richtung wie Fußball spielen wie Beckham? Der Titel soll jedoch im Moment nicht mein größtes Problem sein.

Wenn man von diesem Film nichts außer dem Titel weiß, dann erwartet man beim Betreten des Kinosaals einen Film, in dem es hauptsächlich um Fußball geht. Oberflächlich betrachtet stimmt es zwar, denn die 17-jährige Inderin Jess Bharma (Parminder K. Nagra) hat sehr zum Leidwesen ihrer Mutter und im Gegensatz zu ihrer älteren Schwester, die mitten in den Hochzeitsvorbereitungen steckt, nur eines im Kopf: sie will so gut Fußball spielen können wie David Beckham. Bei einem Spiel im Park wird die gleichaltrige und mindestens ebenso fußballverrückte Jules (Keira Knightley) auf Jess aufmerksam und bittet sie, in ihrer Frauenfußballmanschaft mitzumachen. Die Story geht dann ganz normal weiter: Jess sagt zu, hat deswegen später Probleme mit ihren Eltern (vor allem der Mutter, denn ihr Vater ist etwas liberaler eingestellt) und es endet doch alles gut.

Diese sehr kurze Zusammenfassung tut dem Film aber eigentlich unrecht, denn es steckt viel mehr dahinter. Oberflächlich mag ja vielleicht Fußball das große Thema sein, aber eigentlich geht es in diesem Film um die Probleme, die die Kinder indischer Einwanderer in fremden Ländern (nicht nur England) haben, wenn sie sich an die dortigen Freiheiten gewöhnen wollen. Probleme, die vor allem deswegen auftauchen, weil die Eltern normalerweise traditionell eingestellt sind und in Traditionen leben, mit denen die Kinder nicht (mehr) viel anfangen können, da die Gesellschaft eine ganz andere ist. All dies kann uns die Regisseurin Gurinder Chadha, die selber Inderin ist und deswegen einen noch besseren Zugang zum Thema hat, mit viel Augenzwinkern präsentieren. Nie wirkt der Film schwer, und dennoch kann er dem aufmerksamen Zuschauer sehr wohl eindrucksvoll seine Nachricht übermitteln.

Die Darsteller in diesem Film hatten mit Sicherheit viel Spß beim Dreh und das kommt den gesamten Film hindurch dann auch zum Tragen. Die beiden Hauptdarstellerinnen haben sicher Grundkenntnisse im Fußballspiel (wenn nicht vorher gehabt, dann zumindest extra für die Dreharbeiten erworben), denn allzu ungelenk stellen sie sich mit dem Ball nicht an (auch wenn viele der Szenen, in denen Fußball gespielt wird nur ausschnittsweise zu sehen sind) und schauspielern können sie auch recht gut. Vielleicht haben sie (noch) keine solche Leinwandpräsenz wie die Großen in diesem Geschäft, aber sie sind auf jeden Fall junge und noch unverbrauchte Talente. Dasselbe gilt auch für Jonathan Rhys-Meyers, der den Trainer Joe spielt sowie Jess’s gesamte Sippschaft.

In England war der Film einer der größten Kassenschlager des Jahres (vielleicht auch, weil er gerade pünktlich zur Fußball-WM in die dortigen Kinos kam) und es bleibt zu hoffen, dass er hierzulande (auch ohne WM) zumindest ein respektables Ergebnis erreichen wird, denn verdienen würde er es.