Traffic
© März2001 The Eye

Traffic

Originaltitel: Traffic

No One Gets Away Clean

Director: Steven Soderbergh
Benicio Del Toro, Michael Douglas, Catherine Zeta Jones, Luis Guzmáman

Runtime: 147 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2000

Ein mit vielen Vorschußlorbeern bedachter Film, schon viel davon gehört, und nun sollte er also auch hier zu sehen sein. Also mit ziemlichen Erwartungen das Kino betreten.

Und nicht enttäuscht worden. Da hat sich also ein amerikanischer Produzent aufgemacht, um das Drogenproblem, hauptsächlich aus Sicht der amerikanischen Gesellschaft, darzustellen, und das von ihm angeheuerte Team verfällt dabei nicht im geringsten in die sonst so bekannte schwülstige Heuchelei. Das gehört erstmal schon lobend erwähnt. Ausserdem die handwerkliche Kunstfertigkeit, mit der hier vorgegangen wurde.

Sowohl die Wahl der Farben (sehr körnige Brauntöne bei in Mexiko spielenden Szenen, ziemlich kalte Blautöne bei USA-Szenen) als auch der Umgang mit Sound beeindrucken stark. So gibt es nur sehr wenig Musik, es wird gänzlich auf die normalerweise in Actionfilmen vorherrschende Untermalung spannender Sequenzen mit dramatischer Musik verzichtet, nur in langsamen Zwischenszenen und Kameraschwenks taucht manchmal ein beruhigender Stimmungsteppich auf. Das gibt Realismus und schafft perfekt kalkulierte Beklemmung.

Zur Story:
Im Gegensatz zur Durchschnittsware aus Hollywood sehr vielschichtig und wenig vorhersehbar, jedenfalls nicht nach klassischen "Film-Regeln" ablaufend. Auf mehreren Ebenen wird der "War on Drugs" der Regierung gezeigt, und warum er zum Scheitern verurteilt ist. Besonders erfrischend in diesem Zusammenhang Michael Douglas als Richter, der zu Anfang einen Marihuana-pflanzenden Bürger die volle Härte des Gesetzes spüren lässt, dann ins Weiße Haus berufen wird, um Drogen-Beauftragter des Präsidenten zu werden, jedoch schließlich erkennen muss, dass er sich so weit von seiner eigenen Tochter entfernt hat, dass er deren Drogensucht (Kokain, Crack, Heroin, also alles was schwer süchtig und tot macht) nicht erkannte und sie beinahe verliert.

Den größten Eindruck jedoch hinterläßt Benicio Del Toro als mexikanischer Polizist, der am eigenen System, an der Korruption und der Verflechtung mit den Drogenkartellen beinahe zu zerbrechen droht, und schließlich zumindest für sich selbst einen Ausweg findet. Er stellt die Entwicklung dieses Charakters, seine Zweifel an sich selbst und seinen Vorgesetzten und deren Methoden, aber auch sein eigenes gefangen-sein in einem System, in dem Polizist mehr eine Unternehmerische Position ist als sonst irgendwas, sehr nahe und direkt dar, lässt den Zuseher richtig mit-leben und -zweifeln.

Oscarwürdig!

Alles in Allem ein vermutlich ziemlich realistisches Bild über die Ausweglosigkeit des Kampfs der gesetzlich ermächtigten Behörden gegen die internationalen Drogenkartellen, der jedoch nicht zu einem Werbefilm für mehr Überwachung und weniger Bürgerrechte verkommt, und gerade deshalb nicht hoch genug geschätzt werden kann.