Planet der Affen
© September 2001 Thompson

Planet of the Apes

Originaltitel: Planet of the Apes

Rule the Planet

Director: Tim Burton
Mark Wahlberg, Tim Roth, Helena Bonham Carter, Paul Giamatti, Estella Warren, Kris Kristofferson

Runtime: 119 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2001

Tim Burton (bekannt aus Filmen wie Batman, Sleepy Hollow oder Mars attacks, aber auch A Nightmare before Christmas) wagt sich nun an einen etwas über 30 Jahre alten Klassiker, nämlich den Planeten der Affen. Aber ebenso wie Shaft will sich dieser Film weniger als ein Remake, sondern vielmehr als eigenständiger Film verstehen, der nur mehr oder weniger zufällig auf der gleichen Grundstory basiert.

Aber der Reihe nach: Am Anfang des Film befinden wir uns auf der Raumstation Oberon und im Jahre 2029. Dort werden genetisch etwas aufgemotzte Schimpansen darauf trainiert, kleine Raumkapseln zu fliegen, damit die Menschheit auf diese Art und Weise ohne viel Risiko neue Planeten erforschen kann. Als aber eines Tages Captain Leo Davidsons Schimpanse von einem Forschungsflug in einen elektromagnetischen Sturm nicht mehr zurückkehrt, macht unser Held (Mark Wahlberg) das, was Helden in Filmen immer machen: er setzt sich über den Befehl, nichts zu unternehmen hinweg und setzt sich selbst in eine Raumkapsel, um seinem Schimpansen nach zu fliegen. Aber im Sturm verliert Davidson plötzlich die Kontrolle über seine Raumkapsel und macht auf einem fremden Planeten eine Bruchlandung. Dieser scheint auch von Menschen bewohnt zu sein, allerdings ist deren Verhältnis zu den Affen ein etwas anderes, als Davidson dies noch von der Erde bzw. seiner Raumstation gewohnt war: hier sind nämlich die Affen die dominante Rasse, während die Menschen Wilde sind, die kaum sprechen (können?) und von den Affen gejagt werden, um dann als Sklaven benutzt zu werden.

Auch wenn der Film zuerst einmal primär über 119 Minuten eine recht passable Unterhaltung zu bieten weiß, so ist dies mit Sicherheit kein Film, über den man noch länger nachdenken soll, nachdem man das Kino verlassen hat. Denn wenn man dies macht, so realisiert man plötzlich viele der Ungereimtheiten des Films, die uns die action-geladene Handlung während des Anschauens so geflissentlich hat übersehen lassen. Das fängt schon einmal damit an, dass Captain Davidson nicht wirklich überrascht zu sein scheint, als er auf einem fremden Planeten (!!) von englisch sprechenden Affen gefangen genommen wird. Ebenso wenig scheint er dadurch zu irritieren zu sein, dass die Menschen selten bis nie den Mund aufmachen oder dass Affen sich meist nur durch ein Knurren mit den Menschen verständigen. All dies passiert nämlich, und Captain Davidson lässt sich keine Gefühlsregung entkommen. Er hat nur eines im Sinn: er muss pünktlich zum Rendezvous mit der Suchmannschaft, die schon nach ihm sucht. Ebenso wenig darf man darüber nachdenken, warum die Affen überhaupt Pferde haben und auch brauchen, schließlich sind sie, wie man in der Kampfszene sehen kann, auch ohne Pferd nicht wirklich langsamer. Dann fragt man sich, warum die Affen plötzlich das Schwimmen verlernt haben... usw. Fragen über Fragen.

Auch sonst scheint Tim Burton mit der Wahl von Mark Wahlberg als Hauptdarsteller nicht unbedingt ein Glückstreffer gelungen zu sein. Irgendwie scheinen Gefühle spurlos an ihm vorüberzugehen. Ebenso fragwürdig ist die Rolle der Estella Warren als Menschenfrau Daena. Seltenst nur spricht sie, meist ist sie aber im Hintergrund im Bild und schaut einfach nur gut aus. Zu gut dafür, dass sie eine Wilde ist. Irgendwie spielen die Affen da doch um Klassen besser und das, obwohl man sie hinter ihrer Maske eigentlich nicht wirklich zu erkennen vermag. Daena's äffisches Gegenstück Ari (Helena Bonham Carter) vermag trotz ihrer Maske viel mehr schauspielerische Leistung auf die Leinwand bringen. Auch Paul Giamatti und Tim Roth spielen mehr als überzeugend. Und mit Charlton Heston, der einen kurzen Auftritt als Thades (Tim Roths) sterbender Vater hat, ist Tim Burton noch ein kleiner Gag gelungen, denn Heston, im wirklichen Leben Vorsitzender einer Gruppe von Waffenbesitzern, scheint die einzige am Planeten existierende Waffe zu besitzen.

Wirklich gelungen sind in diesem Film allerdings die Masken der Affen. Und hier liegt auch die Stärke des Films. Schimpansen und Gorillas sind wirklich so gestaltet, wie man sie sich vorstellen würde, wenn man sich diese als dominierende Rasse vorstellen müsste. Auch wenn es noch relativ früh ist, dies zu sagen, so verdienen sich die Masken mit Sicherheit einen Oskar und die Latte für andere Filme, oder aber einen zweiten Teil, ist hier recht hoch gelegt worden.

Der Film vermag mit Sicherheit über 119 Minuten gut zu unterhalten, man darf nur, wie gesagt, nur nachher nicht mehr zu viel darüber nachdenken. Aber dafür scheint ja die Schluss-Szene zu sorgen, die eigentlich komplett zusammenhanglos ist und meiner Ansicht nach nur dazu da ist, den Zuseher zu verwirren (was ihr auch gelingt) und die aber gleichzeitig versucht, den überraschenden Schluss des Originals noch einmal zu übertreffen (was ihm nicht wirklich gelingt).

PS: Nenne einen Primaten niemals einen Affen!