![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Dr. T and the Women
© Februar 2001 Jake
Eigentlich eine Unmöglichkeit. Andererseits geradezu zwangsläufig. Wie hätte es anders kommen können? Es war doch nur eine Frage der Zeit. Seit Pretty Woman wissen wir, dass dieser Mann zu allem fähig ist. Und nun hat er es getan. Richard Gere tritt in die Fußstapfen von Sascha Hehn. Richard Gere ist Frauenarzt. Der Arzt, dem Frauen vertrauen. Endlich. Härter kann es nicht mehr kommen.
Der Autor weiß nicht, wie Robert Altmann (ausgerechnet Robert Altmann; warum nicht Jerry Bruckheimer?) auf die unsägliche Idee gekommen ist, Richard Gere (ausgerechnet Richard Gere; warum nicht Kevin Kostner?) für die Rolle eines Gynäkologen in Texas (ausgerechnet Texas; warum nicht New York?) zu casten, aber den Verdacht, dass er sich irgendetwas dabei gedacht hat, kann er nicht unterdrücken. Ein Abriss der Handlung: Dr Sullivan Travis, von seinen Patientinnen kumpelhaft Dr. T. genannt, betreibt in Texas eine florierende gynäkologische Arztpraxis. Der Andrang ist derart enorm, weil Dr. T. ein besonderes Händchen und einen ganz speziellen Zugang zu Frauen hat (was beides natürlich augenzwinkernd doppelbödig zu verstehen ist). Dr. T. hält Frauen eigentlich für Engel, wie er seinen (männlichen) Jagdkameraden gegenüber bekennt. Aber diese Einstellung, die in seiner beruflichen Laufbahn wunderbar funktioniert hat, läßt ihn im Privaten auf der ganzen Linie scheitern. Seine Gattin wird verrückt und reicht aus der psychiatrischen Anstalt die Scheidung ein, und seine Tochter bekennt sich am Tag ihrer Hochzeit als Lesbe und brennt mit ihrer Geliebten durch. Dr. T. , der versucht, mit einer jungen Bekannten aus dem Golfclub (verkörpert von der neuerdings omnipräsenten Helen Hunt) ein neues Leben anzufangen, bleibt seinem Schicksal hilflos ausgeliefert. Nicht einmal die bewusste Auslieferung an die Naturgewalten kann ihn von seinem Frauen-Fluch befreien - obwohl das Ende einen Funken Grund zur Hoffnung zeigt: ein Knabe wird geboren! Was sich hier nach Schundroman-Verfilmung oder nach seichter Komödie anhört, ist in Wahrheit keines von beiden, oder besser: beides nicht richtig. Regisseur Altman lässt von der ersten Szene an keinen Zweifel aufkommen, dass er keine einzige Assoziation und kein Klischée zu bedienen gedenkt, die sich da ins Hirn des erwartungsvollen Kinobesuchers eingenistet haben mögen. In dieser besagten ersten Szene liegt eine ältere Dame (mit einem offenbar ebenso antiken Hut) mit gespreizten Beinen auf einem Gynäkologenstuhl und versucht krampfhaft Smalltalk zu parlieren, während der freundliche Dr. T. in ihrer intimsten Körperregion unsägliches vollführt. Die für den Zuschauer spürbare Peinlichkeit dieser Situation scheint für den ganzen Film Programm zu sein. Wer sich seichte Abendunterhaltung erwartet hatte (und das werden sicher nicht wenige sein) wird herb enttäuscht. Altman liebt es, zu irritieren und zu beschämen. Dies setzt sich bis in die allerletzte Szene des Films fort, in welcher er es wagt (erstmals im Kino Hollywoods?), eine Geburt in Großaufnahme und völlig unverdeckt zu zeigen. Ob dieser ungewöhnliche Griff nötig war, sei dahingestellt. Jedenfalls gelingt es Altman damit, das Publikum die Verstörung seines Protagonisten nachfühlen zu lassen. Vielleicht war gerade das seine Absicht. | ||||||