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Die purpurnen Flüsse
© Mai 2001 Mario
In den französischen Bergen geschieht ein nicht ganz alltäglicher Mord. Mit Hilfe einer Autopsie in der, inmitten verschneiter Berge gelegenen Elite-Universität Guernon erfährt Sonderkommissar Niémans (Jean Reno), dass die Leiche, der Arme und Augen fehlen, Opfer einer mehrstündigen Folter war. Der Ermordete war Student und Bibliothekar an dieser Universität und schrieb seine Dissetation über die Eugenik - die genetische Züchtung von Menschen zur Schaffung einer Herrenrasse.
Zur gleichen Zeit geschieht in Sarzac, 300km von Guernon entfernt, eine Friedhofsschändung und ein Einbruch in eine Volksschule. Da niemand einen Zusammenhang zwischen dem Mord und den anderen Verbrechen ahnt, nimmt der hitzköpfige Kommissar Max Kerkérian (Vincent Cassel) die Ermittlungen in diesen Fall auf. Ohne von dem Foltermord zu wissen, führt ihn die Spur schon bald nach Guernon. In der Zwischenzeit wird Niémans klar, dass mehrere Fälle von inzuchtbedingter Erbkrankheiten im Bergdorf vorkommen und dass Studenten und Professoren eine sektenartige Gemeinde bilden. Deren Ziel ist es, durch Eheschliessung unter den Studenten eine höhere Rasse zu bilden. Die unabhängigen Untersuchungen beider Kommissare führen das ungleiche Paar schon bald zueinander und so wird gemeinsam versucht des Rätsels Lösung zu finden, welche zu einem überraschenden aber könstlich anmutenden Ende führt. Mathieu Kassovitz hat mit "Les rivière pourpres" zusammen mit Jean-Christophe Grané ein spannendes Drehbuch nach der gleichnamigen Novelle von Grangé verfilmt. Aufgrund einiger Empfehlungen, die ich vor dem Film hatte, waren meine Erwartungen dementsprechend hoch. Und wie es mit Erwartungen so ist werden manche enttäuscht. Kurz gesagt, es handelt sich hier angeblich um einen Thriller, der aber viel mehr an einen Kriminalfilm erinnert - verstrickte Handlung, fehlende Mystik. Zwar spielten auch in "Se7en" und "Das Schweigen der Lämmer" Ermittler stets eine wichtige Rolle, es wurde aber den Bösewichten bzw. dem Bösen, direkt und indirekt genügend Raum zur Charakter- und Selbstdarstellung gegeben. Diese Eigenschaft vermisse ich aber in "Die purpurnen Flüsse". Ein Vergleich mit diesen Filmen kann folglich meiner Meinung zu falschen Erwartungen führen. Als Beispiel kann man den Rektor der Universität nennen, dem gar nicht die Möglichkeit gegeben wurde als "Gründer einer höheren Rasse" glaubhaft zu erscheinen. Wohl muss ich anmerken, dass dieser Film von sich aus versucht dem Bösen ein mystisches Bild zu verleihen. Das grausam-schöne Intro des Films, die eigenwillige Kameraführung und eine Musik, die gekonnt mit dumpfen Herzpochen und schrillen Tönen den Zuseher in einen wörtlich gespannten Zustand versetzt. Gleichzeitig gibt es bemerkenswerte Szenen, wie z.B. der Kampf Kommissar Kerkerians gegen zwei Halunken, währenddessen man im Hintergrund die Geräusche eines Videokampfspiels vernimmt oder ein nächtliches Laufduell. Bemerkenswert sind auch die teils erheiternden Milieustudien über die Polizei in der Provinz und Kommissar Niemans Angst vor Hunden, die den Film davon abhalten clichéhaft zu werden. Die schauspielerischen Qualitäten von Jean Reno (z.B. "Leon der Profi", "Ronin"); und Vincent Cassel (z.B. "La Haine", "Elizabeth") sind unbestritten. Doch dies allein reicht meiner Meinung nach auf Dauer nicht aus. Anmerken möchte ich, dass mit ziemlicher Sicherheit einiges an Qualität durch die Synchronisation verloren ging. Zumindest in der ersten Hälfte des Films kamen mir die deutschen Dialoge für das Französische zu oberflächlich vor. Deshalb, wer die Möglichkeit hat diesen Film in O.m.U zu sehen, sollte dies versuchen. Fazit: Ein spannender Film französischer Machart, der den Zuseher in ambivalenten Zustand über dessen Qualität und Absichten lässt und dem Ausdruck "Mens sana in corpore sano" einen neuen Aspekt zufögt. | ||||||