Über kurz oder lang
© November 2001 Thompson

Blow Dry

Originaltitel: Blow Dry



Director: Paddy Breathnach
Alan Rickman, Natasha Richardson, Rachel Griffiths, Rachael Leigh Cook

Runtime: 91 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
UK 2001

Über kurz oder lang ist eine Komödie über einen Friseurwettbewerb. So etwas kann eigentlich nur aus England kommen. Für amerikanische Verhältnisse wäre so eine Situation viel zu mondän, um einen Film daraus zu machen. Dann schon lieber der fünfte Teil eines randvoll mit Fäkalhumor gefüllten Films. Aber England ist da anders, oder zumindest die Filme, die auch hierzulande den Sprung auf die Leinwand schaffen. Denn irgendwie sind englische Regisseure, Schauspieler und auch Drehbuchautoren immer wieder in der Lage, aus den traurigsten und auch den normalsten Sachen der Welt einen sehenswerten und lustigen Film zu machen. Wie sonst hätte jemand auch nur auf die Idee kommen können, über Arbeitslose, die in ihrer Verzweiflung anfangen, zu strippen, einen Film zu machen, wie es mit Ganz oder gar nicht geschehen ist. Aber ich schweife ab, auch wenn der Vergleich mit Ganz oder gar nicht nicht von ungefähr kommt, hat doch hier wieder mit Simon Beaufoy derjenige Drehbuchautor seine Finger im Spiel, der sich schon für das Drehbuch des obgenannten Films verantwortlich zeigte.

Hier nun handelt es sich nicht um arbeitslose Stripper, sondern diesmal geht es um eine ganz normale zerrüttete Familie im nordenglischen Kaff Keighley: der Vater Phil (Alan Rickman), ein ehemaliger Starfriseur, ist sauer auf seine Frau Shelley (Natasha Richardson), die ihn vor 10 Jahren wegen Sandra (Rachel Griffiths) verlassen hat. Und ihr gemeinsamer Sohn Brian (Josh Hartnett) sitzt irgendwie zwischen den Stühlen.

Dann plötzlich erhält Keighley die Chance, etwas Abwechslung in den tristen Kleinstadtalltag zu bringen: der alljährliche englische Friseurwettbewerb soll diesmal hier stattfinden. Der Bürgermeister versucht Stimmung zu machen und auch ein lokales Team in den Wettkampf zu schicken, aber weder Shelley noch Phil zeigen wirkliches Interesse, müssten sie doch gemeinsam antreten, um eine wirkliche Chance zu haben.

Die Geschichte an und für sich wäre mit Sicherheit urlangweilig, wenn es eine amerikanische Produktion gewesen wäre. Irgendwie kann die Geschichte (Friseurwettbewerb kommt in kleines Yorkshire-Dorf, eine Familie versöhnt sich wieder und der Sohn verliebt sich in Christina (Rachael Leigh Cook), die zwar ein Mitglied des verfeindeten Teams ist, aber trotzdem seine Liebe erwidert) ja auch nicht wirklich viel hergeben, denn schon nach spätestens 10 Minuten ist auch dem unbedarftesten Kinogeher klar, dass es schlussendlich doch noch auch ein lokales Friseurteam gibt und dass dieses auch um den Sieg mitschneidet. Dass aus dem Film dann doch noch ein guter Mittelklassefilm wird, ist vor allem den kleinen Nebenhandlungen zu verdanken, die Simon Beaufoy eingeflochten hat. So übt Brian das Haareschneiden in der lokalen Leichenhalle, und Christina das Färben an der Schafsherde des Hofes, in dem sie untergebracht ist (und die Herde ist wirklich sehenswert).

Die Leistung der Schauspieler lässt eigentlich auch keine Wünsche offen. Alan Rickman, auch bekannt aus Galaxy Quest, versteht es ausgezeichnet, den vom Leben leicht frustrierten Friseur zu spielen, und auch Josh Hartnett als Brian und Rachael Leigh Cook als Christina spielen ausgezeichnet. Aber in den Schatten gestellt werden sie eigentlich von Natasha Richardson, die, sicher auch aufgrund der ausgezeichneten Maske, die krebskranke Shelley so lebensnah darstellt wie es im Film eigentlich nur möglich ist.

Wirklich nett ist auch die Tatsache, dass man immer wieder kurz die Schlagzeilen der lokalen Tageszeitung sieht, die auch, wie es in England eigentlich sehr üblich ist, immer wieder mehr oder weniger originelle Wortspiele anwendet (z.B. am Tag der Anreise: Hair they come).

Alles in allem kann gesagt werden, dass dieser Komödie zwar mit Sicherheit der große Erfolg nicht zuteil werden wird, aber trotzdem kann sie 90 Minuten lang unterhalten und den Zuseher vom Alltag ablenken. Bleibt nur zu hoffen, dass niemand auf dem Nachhauseweg nach dieser Komödie an einem offenen Friseursalon vorbeikommt, denn vorbeigehen kann man dann nicht mehr.