Unzerbrechlich - Unbreakable
© Dezember 2000 Jake

Unbreakable

Originaltitel: Unbreakable

Are You Unbreakable?

Director: M. Night Shyamalan
Bruce Willis, Samuel L. Jackson, Robin Wright, Spencer Treat Clark

Runtime: 106 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 2000

Es darf Filme geben, die mit einer vollkommen surrealen, an den Haaren herbeigezogenen Story einfach nur unterhalten wollen. Im Idealfall sind solche Filme bunt und billig und haben oft das Zeug zum Kultstatus. Die neue Willis-Shyamalan-Coproduktion zeigt uns jetzt, was man mit einer hirnrissigen Drehbuch-Idee noch machen kann; nämlich alles falsch.

Im Nachfolgewerk des Überraschungserfolgs The Sixth Sense stimmt überhaupt nichts. Eine Geschichte, die perfektes B-Movie Trashmaterial abgegeben hätte, wurde mit einer kultiviert scheinen wollenden Hochglanz-Inszenierung und pseudokünsterischem Anspruch in den Sand gesetzt.

Wie in The Sixth Sense mimt Willis einen gebrochenen, verzweifelten Mann, der durch ein schreckliches Geheimnis von seinen Mitmenschen getrennt ist. Die Ahnung von einem einzigartigen Schicksal, welches ihm bestimmt ist, hat ihn depressiv und beziehungsunfähig werden lassen. Nach einem katastrophalen Zugunglück, welches er als einziger und noch dazu völlig unverletzt überlebt, beginnt die Natur seiner Andersartigkeit Konturen zu gewinnen. David Dunn hat in seinem Leben jeden Unfall überlebt und war niemals krank. Er ist unzerbrechlich. Aber erst die Begegnung mit seinem Konterpart, dem mit fragiler Gesundheit und wie Glas brechenden Knochen ausgestatteten Elijah Price läßt ihn das Mysterium seiner Existenz begreifen und zu seiner Bestimmung finden.

Die Stilmittel, welche den Film zu einer nervtötenden Qual werden lassen, sind aus The Sixth Sense hinlänglich bekannt: blutleere Bilder aus ungewohnten Perspektiven, der ständige penetrant durchgehaltene Flüsterton der Protagonisten und ein steinerweichender symphonischer Soundtrack, welcher dem Ganzen schicksalhafte Bedeutungsschwere geben soll. Bruce Willis wiederum, der wundersam zum Charakterdarsteller bekehrte Actionstar, spielt hier so, als könne er die beiden Drehbücher von The Sixth Sense und Unbreakable nicht recht auseinanderhalten. Er hat Recht: die Unterschiede sind marginal. Die zerrüttete Familie der unteren Mittelschicht, das Metaphysische hinter dem vermeintlich Alltäglichen und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ein vorgeblich überraschender Schlußeffekt - hier darf sie der Zuschauer alle wiedersehen.

Zum Schluß sei mir eine vorsichtige, Hoffnung machende Prognose erlaubt: Unbreakable wird zumindest beim europäischen Publikum nicht im selben Ausmaß an den Kinokassen reüssieren wie The Sixth Sense. Es gibt nämlich trotz aller Gleichheiten einen kleinen aber feinen Unterschied, welcher sich als fatal erweisen könnte: für Gespenster kann sich ein europäisches Publikum notfalls noch erwärmen, real existierende Comic-Helden hingegen liegen nicht mehr innerhalb der Toleranzgrenze verkraftbaren Humbugs.

Daß Drehbuchautor Shyamalan gezielt Filme für ein Publikum macht, welches er für ihm intellektuell inferior hält, war in seinem letzten Werk bereits deutlich ersichtlich. Dabei war The Sixt Sense nur ein Ärgernis. Unbreakable ist eine schamlose Zumutung.