Eine wahre Geschichte - The Straight Story
© Juli 2000 Jake

The Straight Story

Originaltitel: The Straight Story

A true story that proves a little determination goes a very, very long way.

Director: David Lynch
Richard Farnsworth, Sissy Spacek, Everett McGill, John Farley

Runtime: 111 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
France / USA 1999

Wer David Lynch kennt, wird sich über sein neues Werk wundern; wer ihn nicht kennt, wird sich über einen ungewöhnlich gehaltvollen amerikanischen Film wundern. Jedenfalls werden beide mit Gewinn aus dem Kino kommen.

"The Straight Story" erzählt die Geschichte des alten Alvin Straight, der seinen kranken Bruder besucht, um zu sehen wie es ihm geht und sich mit ihm zu versöhnen. Das ist alles. Und es ist genug, um einen großartigen Film daraus zu machen.

"The Straight Story" erzählt vom Unterwegssein, thematisch steht er in der Tradition von Jack Kerouacs "On The Road", aber Lynch erzählt mehr, indem er weniger erzählt. Indem er die für ihn typische Komplexität, die vor allem seinen letzten Film "Lost Highway" so schwer verdaulich machte, einfach aufgibt, hat Lynch jetzt die Schönheit entdeckt. Aber seine Schönheit hat nichts zu tun mit oberflächlichem Hollywood-Glamour. Es geht ihm um die Schönheit kleiner menschlicher Gefühle, die als Antriebe menschlicher Bewegung, des menschlichen Unterwegsseins geoffenbart werden. Unterwegssein wir zur Chiffre des menschlichen Strebens, des Lebens und des Kosmos überhaupt, was Lynch durch eingeschobene Bilder des Sternenhimmels zeigt.

"The Straight Story" ist ein meditativer Film, der den Betrachter letztlich auf sich selbst zurückwirft. Der Inhalt des Films ist eigentlich offen und variabel, denn die Themen wie Liebe, Schuld, Verzeihen gehen jeden an und haben für jeden eine andere Bedeutung oder Gewichtung. Aber obwohl die Thematik im eigentlichen Sinne universell ist, sind die fotographischen Motive so uramerikanisch wie es nur vorstellbar ist. Wogende Maisfelder, schnurgerade Straßen und niedrig gebaute Farmerstädtchen dominieren die Cinemascope-Leinwand. Wer Amerika bisher für New York, Los Angeles und dazwischen Wüste gehalten hat, erlebt hier sein blaues Wunder. Lynch zeigt uns eine Welt, die kein Fremder je geschaut hat, ein Amerika abseits der Touristenpfade. Schon das macht den Film wertvoll und sehenswert, aber es kommen noch großartige schauspielerische Leistungen (Richard Farnsworth als Alvin Straight), epische Aufnahmen und philosophische Inhalte hinzu, welche den Film zu einem Genuß für Augen, Hirn und Herz werden lassen.