Magnolia
© August 2000 Jake

Magnolia

Originaltitel: Magnolia

Things fall down. People look up. And when it rains, it pours.

Director: Paul Thomas Anderson
Jeremy Blackman, Tom Cruise, William H. Macy, Julianne Moore, John C. Reilly

Runtime: 188 min
Rating: G | PG | PG-13 | R
USA 1999

Viel wunderliches haben wir über diesen Film gelesen: von Tom Cruise als schmierigem Sexualscharlatan war die Rede und von biblisch vom Himmmel regnenden Fröschen. Das machte neugierig.

Tatsächlich beginnt der Film mit einer Absonderlichkeit. Ein Mann stürzt sich in selbstmörderischer Absicht vom Dach eines Hauses und wird auf dem Fall nach unten - versehentlich! - erschossen. Wäre er nicht - versehentlich! - erschossen worden, und zwar von seiner eigenen Mutter (!), die eigentlich seinen Vater (!) erschiessen wollte, so hätte er den Sturz wahrscheinlich sogar überlebt, weil eine zufälligerweise vorübergehend aufgespannte Zeltplane den Aufprall gedämpft hätte! So weit, so skurril. Das dumme ist nur, daß schon dieser Gag mehrmals wiederholt und aus mehreren Perspektiven gezeigt wird, wodurch die Punchline verpufft wie eine fehlerhafte Silvesterrakete. Diese "Technik" zieht sich auch durch den Rest des Films: Alles wird so ausführlich, so redundant und eindrücklich gezeigt, bis es jeglichen Witz oder Geist, den es ursprünglich vielleicht besitzen hätte können, verloren hat. Manchmal meint man den Regisseur P. T. Anderson geradezu hinter der Leinwand beschwörend zu vernehmen: "Hat's jetzt auch der junge Herr in der letzten Reihe, links außen, kapiert?!" Ja, er hat (oder bereits genervt den Saal verlassen).

Zu dieser Breitgewalztheit kommt paradoxerweise eine moralische Enge, die zumindest für ein europäisches Publikum schwer zu ertragen ist. Untreue Eheleute sind schlecht, schlecht, schlecht und lieblose Eltern sind noch schlechter! Außerdem ist es besonders schlecht, wenn man in einer Ehe nicht aufrichtig ist, oder untreu (wie gesagt: schlecht, schlecht, schlecht). All die skurrilen Monstrositäten des Films, all die Gags, Tricks und Kniffe, die immerhin vermeiden, daß das Publikum in Scharen während des Films aufsteht, können nicht verhinderen, daß das Werk am Ende an seiner puritanischen Ethik erstickt. Aber Tom Cruise dürfte wohl aufgrund seiner kirchlichen Zugehörigkeit in keinem unmoralischen Film spielen. Im Kino den Manipulationsversuchen der alleinseligmachenden Scientology Church ausgesetzt zu sein, ist jedoch eine Zumutung. Diese Ideologie der Tüchtigen, Erfolgreichen und moralisch Unangreifbaren ist aufgrund ihrer Geistlosigkeit schwer zu ertragen. Das vorkommende Motiv des sich Erbrechens könnte mit viel gutem Willen als kritisches Selbstreflexivum gewertet werden, wenn dieser Film dazu fähig wäre.