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Erkan & Stefan
© Juli 2000 Jake
Was kann eigentlich an einem Film dran sein, der Erkan und Stefan heißt und München als Handlungsort aufweist? Wer das "korrekte" Komikerduo bereits kennt (die beiden heißen mit bürgerlichen Namen tatsächlich Erkan und Stefan), weiß natürlich genau, warum er ins Kino geht: zwei Stunden Nonstop Nonsens. Aber der geneigte Besucher bekommt sogar einiges mehr geboten: einen richtigen Filmplot mit Agenten, Satelliten und einer Menge Sprengstoff zum Beispiel. Die Handlung: Erkan und Stefan werden engagiert, eine junge blonde Dame aus Hamburg in München zu beschützen. Für sie ist der Job natürlich "krass" , und obwohl sie keine Ahnung haben, checken sie ihn voll "konkret." Bewaffnet mit Döner-Spieß und einem furchterregenden Radebrechdeutsch der Marke Zlatko treten sie an, Musketieren gleich, um das Schöne und Gute vor den Mächten des Bösen zu retten. Die Verwicklungen entstehen um eine brisante Musikkassette, auf der die letzten Minuten im Leben Uwe Barschels aufgezeichnet sind. Die blonde Nina aus Hamburg, in die sich sowohl Erkan als auch Stefan prompt "reinverlieben tun", hat die Kassette versehentlich mitgenommen, und amerikanische und deutsche Geheimdienste tun alles, um sie zu kriegen. Am Ende gipfelt die deutsch-amerikanische Konkurrenz in einem Kleinkrieg im Keller des amerikanischen Konsuls - ausgerechnet während des Balls zur Feier der deutsch-amerikanischen Freundschaft.
Die Handlung bietet mehr als man sich für einen Blödelfilm erwartet hätte: sie ist logisch halbwegs stimmig, geradlinig und witzig. Aber das Publikum wird nicht wegen der Geschichte ins Kino gehen, sonderen vor allem wegen der Sprüche. Alles hier ist "fett", "korrekt" oder "brontal" (was immer letzteres heißen mag). Wenn etwas mißfällt, wird es hingegen als "schwul" deklariert. Schwul sein wäre natürlich das letzte, denken Erkan und Stefan, deren Lieblingsbeschäftigung ansonsten darin besteht, sich gegenseitig an die Genitalien zu fassen ("sackeln tun"). Mit solchen gar nicht blöden Beobachtungen öffnet sich der Film durchaus der Reflexion. Die Milieustudie (Stefans Mutter und Bruder!) ist genial, die Zeichnung letztlich unüberwindlicher Klassenschranken (zwischen Nina einerseits und Erkan und Stefan andererseits) authentisch. Darüberhinaus war diese real existierende Mischung aus urbayrischem Milieu und jugendlicher Subkultur, die sich in den Protagonisten manifestiert, bisher noch nicht im Kino zu sehen. "Erkan und Stefan" ist damit der klügste Blödelfilm seit Helge Schneider. | ||||||